Lieferanten-Qualitätsmanagement in IPS – was ist neu?

Lieferanten-Qualitätsmanagement in IPS – was ist neu?

Ein erweitertes Verständnis von Qualitätsmanagement und Partnerschaft soll IPS-Lieferanten und die Daimler AG weiterbringen. Wie? Das erläutert Florian Voigt: Er und sein QM-Team bieten seit Mitte 2019 noch mehr Unterstützung, Anleitung und Transparenz – für erfolgreiche IPS-Projekte, Dienstleistungen und eine reibungslose Fahrzeugproduktion.

Lieferanten-Qualitätsmanagement in IPS – was ist neu?
Florian Voigt, Leiter Qualitätsmanagement International Procurement Services, Daimler AG.

Herr Voigt, Sie leiten seit kurzem den Bereich Qualitätsmanagement bei IPS. Welche Aufgaben haben Sie?
Mein Team und ich verantworten den Aufbau eines ganzheitlichen Systems für Qualitätsmanagement (QM) in IPS. Verortet sind wir in der Unternehmenszentrale in Stuttgart, von hier aus arbeiten wir für alle IPS-Einkaufsbereiche weltweit. 2016 hat IPS bereits die ersten Module zur Potenzialanalyse von Lieferanten eingeführt. Wir entwickeln diese QM-Basismodule nun gezielt in die Zukunft weiter, insbesondere da sich die Automobilindustrie grundlegend wandelt und unsere Anforderungen dadurch weiter gestiegen sind.

Um was geht es bei der Qualitätseinschätzung von Lieferanten? Wo sehen Sie den hauptsächlichen Nutzen?
Daimler setzt an vielen Stellen auf die professionelle Unterstützung von Lieferanten. Sie sind unsere Experten für Aufgaben, die wir als Automobilhersteller nicht alleine abdecken können. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit müssen wir unsere Partner jedoch sehr gut kennen. Insbesondere bei neuen Projekten ist es wichtig, die in Frage kommenden Lieferantenbetriebe genau unter die Lupe zu nehmen. Und zwar noch vor Vertragsabschluss. Nur wenn das Qualitätsverständnis und die Leistungsfähigkeit des Partners stimmen, können wir gemeinsam alle Potenziale ausschöpfen und mögliche Risiken vermeiden. Immer mit dem Ziel: reibungslose, effiziente Prozesse in unserer globalen Fahrzeugproduktion zu gewährleisten.

Was gab den Anstoß zur Erweiterung des QM-Systems bei IPS?
Zur geforderten hohen Prozesssicherheit tragen nicht nur Zulieferer für Fahrzeugbauteile, sondern auch für Nichtproduktiv-Güter bei. Diesen Zusammenhang haben wir vor allem beim Bau von Werken, Gebäuden und Produktionsanlagen sowie beim Betrieb von Logistikeinrichtungen in der Vergangenheit deutlich gesehen. Aufkommende Probleme können hier eine reibungslose Produktion verhindern und lassen sich nachträglich oft nur durch extrem aufwendige ‚Hauruck-Aktionen‘ beheben. Um diese Risiken zu vermeiden, hat IPS vor drei Jahren die ersten Audits zur Qualitätseinschätzung externer Partner etabliert.

Welche QM-Grundlagen deckt IPS bereits seit 2016 ab?
Anfangs verantworteten fünf Qualitätsingenieure die QM-Thematik bei IPS. Außerdem waren viele Aufgaben des Qualitätsmanagements auf die Einkaufsbereiche verteilt. Im globalen Daimler Produktionsnetzwerk ist das ein enormes Aufgabenspektrum und so konzentrierte man sich insbesondere auf Lieferanten der schon erwähnten stark risikobehafteten Einkaufsbereiche: Bau-/Dienstleistungen, Produktionsanlagen, und Logistik. In der Einführungsphase arbeiteten die Auditoren bereits eng mit IPS-Einkäufern, Planungs- und Fachbereichen zusammen. Jedoch gab es noch keine zentrale Bündelung der Themen bei IPS.

Wie beeinflusst der Wandel der Automobilindustrie die Ansprüche an das IPS-Qualitätsmanagement?
Zum einen müssen Fahrzeuge zunehmend schneller entwickelt und flexibler produziert werden. Gleichzeitig erwarten die Kunden höchste Qualität von unseren Premiumfahrzeugen. Um diese Ansprüche zu erfüllen, müssen wir bei IPS mögliche Risiken und Warnsignale bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern noch frühzeitiger erkennen und ausschließen. Zum anderen arbeitet Daimler heute an neuen digitalen Technologien, etwa Apps für Smartphone-gesteuerte Fahrzeugfunktionen. Auch für diese Innovationsthemen benötigen wir bei IPS nicht nur neue QM-Methoden, sondern auch ein erweitertes Qualitätsverständnis.

Können Sie uns das neue QM-Verständnis näher erläutern?
Anhand eines Beispiels. Bei der Installation einer Produktionsanlage für neue Mercedes-Benz Pkw-Modelle unterstützte uns ein Top-Lieferant. Dennoch lief anfangs der Fortschritt beim Aufbau der Anlagen in unserem Werk nicht wie geplant. Grund war die fehlende Kommunikation über aufgetretene Probleme – eine Kluft, die durch kulturelle Unterschiede entstanden war. Das heißt, wir müssen unseren Blickwinkel künftig erweitern: nicht nur technisch-funktionale Themen, sondern auch zwischenmenschliche Töne berücksichtigen. QM soll Brücken bauen und den Austausch zwischen Daimler Einkäufern, Fachbereichen und Lieferanten fördern. Dabei verstehen sich unsere Qualitätsingenieure als Vermittler zwischen den Interessen der externen IPS-Partner und der Sichtweise von Daimler.

Wir wollen zusammenwachsen und gemeinsam wachsen. Im partnerschaftlichen Teamwork können IPS-Lieferanten und die Daimler AG alle Leistungspotenziale wirkungsvoll nutzen. Indem sich alle Beteiligten gezielt weiterentwickeln, können wir die hohen Qualitätsansprüche unserer Kunden auch in Zukunft zu erfüllen.

Florian Voigt, International Procurement Services, Daimler AG

Und welche qualitativen Erwartungen knüpft IPS damit künftig an externe Partner?
Wir sehen Lieferanten als Impulsgeber für Daimler, deshalb wollen wir uns noch enger mit ihnen verzahnen. Bei diesem partnerschaftlichen Teamwork erwarten wir, dass alle Beteiligten über den Tellerrand schauen, aktiv mitdenken, vorausschauend agieren und ihr ganzes Potenzial für den gemeinsamen Projekterfolg einbringen.

Lieferanten-Qualitätsmanagement in IPS – was ist neu?
Bei einem Logistik-Vergabeprozess im Werk Kecskemét konnten bereits erste positive Erfahrungen mit dem ganzheitlichen QM-System von Internationel Procurement Services gewonnen werden.

Wie adressiert Ihr Team diesen umfassenden QM-Anspruch?
Seit Mitte 2019 sind erstmals alle QM-Themen zentral in unserem Spezialteam gebündelt, das wir dafür gezielt erweitert haben. Heute kümmern sich zehn Auditoren unter anderem um Mandate wie Automotive Fluids, Vormontage-Dienstleistungen und Fahrzeug-Apps. Ein weiterer Mitarbeiter scannt das QM-Aufgabenspektrum, um künftige Schwerpunkte identifizieren zu können. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht die Prävention. So begleiten wir IPS-Projekte aktiv und unterstützen alle Schritte, bei Bedarf auch mit einer Task Force. Dabei arbeiten wir eng mit allen Beteiligten zusammen: bereichsübergreifend, mit klaren Zuständigkeiten und kurzen Kommunikationswegen. Bei einem Logistik-Vergabeprozess im Werk Kecskemét konnten wir bereits erste positive Erfahrungen mit unserem ganzheitlichen System gewinnen.

Ganzheitliche Potenzialanalyse – welche Vorteile haben die Lieferanten?
Die enge, frühzeitige Abstimmung schafft Transparenz und Sicherheit auf allen Seiten. Wir lernen das Leistungspotenzial unserer externen Partner kennen. Und diese wissen genau, welche Anforderungen wir an sie stellen. Bei der Entwicklung von digitalen Diensten ist die gemeinsame Basis besonders wichtig. Denn in der Zusammenarbeit des globalen Automobilherstellers Daimler mit kleinen Start-up Unternehmen gibt es oft die größten Kontraste. Die neue Form der Partnerschaft ermöglicht es allen Beteiligten, optimale Lösungen zu erarbeiten, dabei wirtschaftliche, technische und zeitliche Risiken zu vermeiden – und so unseren Kunden ‚Das Beste oder nichts‘ zu bieten.

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