„In der Zukunft? Vielleicht werden wir einen kompletten LKW drucken!“

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Daimler Trucks North Americas Experten für 3D-Druck, Angela Timmen und Nathan Zamani, erklären, wie sie die Technologie bereits im Aftersales-Einkauf verwenden und wie die Zukunft des 3D-Drucks aussehen kann.

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Frau Timmen, Herr Zamani: Wie sind Sie als Einkaufsexperten bei Daimler mit der 3D-Druck-Technologie in Berührung gekommen?

Angela Timmen: Wir waren in Situationen, in denen Kunden uns bei gewissen Teilen für ihre LKW um Hilfe baten. Manche der Teile sind sehr selten und werden in hochspezifischen LKW-Konfigurationen eingesetzt. Beispielsweise ein Schalter für das Kombi-Instrument oder ein kleiner Teil des Armaturenbretts eines Cascadias, das nicht mehr produziert wird.

 

Nathan Zamani: Dies sind Kleinserienteile und sie sind schwer zu bekommen. Aber wir haben zukunftsorientiert gedacht und das Unternehmen gebeten, die Entwicklung noch weiter voranzutreiben. Es war eine Notwendigkeit: Wir haben diese Teile auf der Liste, können sie aber wegen des geringen Volumens nicht an jeden liefern. Die Kunden benötigen diese Teile trotzdem – genau so hat das Ganze angefangen.

 

Angela: Wir betrachteten daher tatsächliche Kundenbestellungen, wenn wir Probleme hatten, über unsere herkömmlichen Kanäle zu liefern. All diese Kunststoffteile, die für unseren 3D-Druck in Frage kommen, sind eher kosmetischer Natur und nicht sicherheitsrelevant. Unseren Kunden stehen derzeit nur sechs Teilenummern zur Verfügung, aber wir suchen bereits nach neuen Teilen.

 

Welchen Vorteil bietet der 3D-Druck?

Nathan Zamani: Wenn man mit Kleinserienteilen in Berührung kommt, ist der 3D-Druck eine Möglichkeit, traditionelle Fertigungsmittel abzuschaffen und etwas zu erschaffen, dass wahrscheinlich weniger Platz einnimmt. Er ist im Alltag auch weniger kostenintensiv und wir maximieren die Kapazität durch das Entfernen von Werkzeugen, die für die Kleinserienteile benötigt werden. Wir konzentrieren uns aktuell auf Aftersales-Teile und echte Teile, die Kunden benötigen, aber wir expandieren und suchen nach komplexeren Teilen und neuen Technologien.

 

Wer hatte die Idee mit dem 3D-Druck?

Angela Timmen: Das Projekt entstand auf Initiative unsere Einkaufsteams hier bei Daimler Trucks North America. Wir haben anfangs darüber nachgedacht, unseren eigenen 3D-Drucker zu kaufen, aber die Technologie ändert sich jeden Tag, also ist das für uns nicht am sinnvollsten. Wir haben aktuell einen Dienstleistungspartner zum Drucken unserer 3D-Teile, aber wir suchen stets nach neuen Pionieren in diesem Feld.

 

Sie sagen, dass die treibende Kraft dahinter der Einkauf ist. Wie haben Sie die Zusammenarbeit zwischen Daimler Engineering und externen Dienstleistungspartnern hergestellt?

Nathan Zamani: Wir haben bei jedem Schritt auf dem Weg sehr eng mit Engineering und unseren Dienstleistungspartnern zusammengearbeitet. Wir arbeiten mit einem funktionsübergreifenden Team und zusammen wählen wir die Teile aus, untersuchen die Teile, entscheiden, was am sinnvollsten ist und verschicken die Daten.

 

Wie steht es um unsere 3D-Druckleistung im Vergleich zu der von Konkurrenten?

Angela Timmen: Viele Unternehmen setzen seit der Mitte der 1990er Jahre auf 3D-Druck. Aber sie konzentrieren sich darauf, Prototypenteile zu drucken – ein anderer Schwerpunkt. Dies macht uns zu einem Pionier, da wir Aftersales-Produkte drucken. Und selbst in dieser kurzen Zeitspanne von nur zwei Jahren haben wir beim 3D-Druck mehr als andere Unternehmen erreicht. Wir denken, dass wir wahrscheinlich allen anderen voraus sind. Das heißt nicht, dass die anderen nicht aufholen werden, also müssen wir uns stets weiterentwickeln.

 

Wie entwickelt sich der 3D-Druck selbst und wie sähe Ihr idealer Druckprozess in der Zukunft aus?

Angela Timmen: In der Zukunft? Vielleicht werden wir einen kompletten LKW drucken! (lacht). Aber Spaß beiseite, 3D-Druck wird für Projekte mit einem immer höheren Volumen bald im Handel wettbewerbsfähig werden. Und ich erwarte, dass dies bald ein bedeutender Teil nicht nur unserer Industrie, sondern aller Fabriken werden wird.

 

Nathan Zamani: Wir wollen in verschiedene Bereiche des 3D-Drucks expandieren, daher müssen wir nach weiteren Dienstleistungspartnern suchen. Wenn wir beispielsweise zum Drucken mit Nichtkunststoffmaterialien übergehen, können wir dies nicht machen, ohne weitere Dienstleistungspartner mit ins Boot zu holen. Wir stehen vor technologischen Herausforderungen, aber wir haben auch ein Problem der Industriereife. Wir haben eine kleine Industrie von Prototypen und Herstellern und wir müssen sie zu Zulieferern für Großserienprojekte weiterentwickeln.

 

Angela Timmen: Und sie haben noch keine Erfahrung damit, also müssen wir unsere Lieferantenbasis weiterentwickeln. Wir wünschen uns auch sehr, dass unsere herkömmlichen Zulieferer in diesen Prozess stärker involviert werden und ihre Erfahrung einbringen.

 

  INFOBOX: “Was ist 3D-Druck und wie funktioniert er?” (Quelle: YouTube)


 

 


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Datum:
14.09.2018
Autor:
Fabian Marzinzik, Carsten Wiebel
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