„CORE und CASE gehen Hand in Hand!“

Im Gespräch mit Daimler Trucks & Buses Einkaufsleiter Dr. Marcus Schoenenberg über die zurückliegende Nutzfahrzeug-IAA, warum CASE mit CORE einhergeht und mehr als ein Trend ist.

Redaktion: Herr Dr. Schoenenberg – Ihr Fazit knappe 6 Wochen, nachdem die IAA ihre Pforten geschlossen hat?

Marcus Schoenenberg: Tolle Produkte hat Daimler auf die Bühne gefahren. So zum Beispiel der neue Actros. Mit diesem bringen wir gleich 60 Innovationen auf die Straße. Eine der wichtigsten Neuerungen ist für mich der Active Drive Assist. Selbständig bremsen, Gas geben und lenken: damit bringt Mercedes-Benz Trucks das teilautomatisierte Fahren in Serie. Ein tolles Team hat alles gegeben, um die Anwesenden von unserer Performance zu überzeugen. Wir haben Transforming Transportation zum Anfassen gezeigt. Ich bin sehr zufrieden.

 

Was bleibt?

Der Eindruck, dass wir die besten Partner in der Industrie an unserer Seite haben. Die vielen Gespräche, der Austausch am Abend unseres Supplier Dialogue mit unseren Partnern haben meinem Team und mir erneut gezeigt: Wir alle haben die Herausforderungen unserer Industrie verstanden und sind bereit, diese aktiv anzupacken. Ein toller Commercial Vehicle Spirit war an dem Abend zu spüren.

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Bedeutet konkret in der Zusammenarbeit mit Ihren Supplier Partnern?

Dort anders zu arbeiten, wo wir keine jahrzehntelange Erfahrung haben. Da müssen wir schnell auf Ergebnisse kommen. In der Entwicklung unserer Produkte, beim Suchen der richtigen Partner. Einfach bei allem, was unsere Fahrzeuge auf die Straße bringt. Denn es wird kürzere Innovationszyklen geben. Da brauchen wir schnellere Iterations- und Feedbackschleifen – und Kondition: Denn die CASE-Themen erfordern in der konsequenten Bearbeitung einen langen Atem nach hinten raus.

 

CASE ist also mehr als ein Trend?

Definitiv. Connected, Automated, Shared & Services und Electric ist mehr als ein Sprint. Das ist der nächste Innovations-Marathon, der die Industrie umwälzen wird.

 

Klingt bedrohlich.

Warum denn? CASE ist einfach der nächste logische Schritt in die Zukunft, den unsere Industrie gehen wird. Die Transportindustrie hat sich immer dann besonders weiterentwickelt, wenn sich neue infrastrukturelle Möglichkeiten boten. Internet, Datenübertragung, heutige Rechenleistung und Speicherkapazität bilden eine digitale Infrastruktur, auf deren Basis sich unsere Branche auf das nächste Level entwickeln wird.

 

Und CORE, also das „klassische“ Truck- und Busgeschäft, hat dann ausgedient?

Ganz klar: nein. CORE und CASE gehen Hand in Hand! Ich habe das auch unseren 300 Gästen auf dem Supplier Dialogue am 20. September auf der IAA gesagt: ‘Wir brauchen weiterhin beides – Stahl und Software‘. Denn am Ende werden physische Fahrzeuge Güter transportieren. Unsere Supplier und wir bei Daimler haben damit 130 Jahre CORE-Erfahrung und einen automobilen Meilenstein nach dem anderen auf die Räder gestellt. Es wird weiter eine wichtige Fähigkeit bleiben, Fahrzeuge rund um den Globus in hoher Stückzahl und in Spitzenqualität zu fertigen. Dennoch wird CASE sowohl unsere Fahrzeuge als auch die damit verbundenen Betreiber- und Geschäftsmodelle nachhaltig verändern.

 

Wie gelingt das?

Man muss eben wachen Auges an die Dinge gehen. Und das machen wir bei Daimler Trucks & Buses. Wir schauen uns die Bedarfe und Bedürfnisse unserer Kunden an. Sammeln gemeinsam mit Testkunden Erfahrung. Holen uns Feedback ein. Und schauen, wie es läuft. Und regeln dann entsprechend ein, skalieren das hoch. Wie hat es unser Trucks & Buses Vorstand Martin Daum so schön an unserem Supplier Dialogue Abend gesagt: CASE muss am Ende auch ein “Business Case” sein.

 

CORE und CASE gleich SUCCESS also?

Nicht alles bei Daimler kürzen wir ab (lacht). Aber um die Frage zu beantworten: ja, die Gleichung stimmt. Denn unsere starke Position aus CORE heraus — und damit meine ich sowohl Daimler als auch die Supplier — ermöglicht es, in Zukunftsthemen zu investieren. Weil wir unsere hochvolumigen gegenwärtigen Truck- und Bus-Plattformen in neue Märkte tragen, um profitabel zu wachsen. Beispielsweise nach China. Und gleichzeitig entwickeln wir neue Technologie-Plattformen zum vernetzten, automatisierten und elektrifizierten Fahren. CASE eben.

 

Ihre Empfehlung als Einkaufschef also: Mit einer herausragenden Technologieidee ist ein Supplier also am besten bei Daimler aufgehoben?

(lacht) Dem hab ich nichts hinzuzufügen.

 

 


Die Redaktion traf Marcus Schoenenberg im Oktober in Stuttgart-Untertürkheim zum Gespräch. Weitere Informationen: Daimler Supplier Dialogue 2018


Zur Person.

Dr. Marcus Schoenenberg ist Vice President Global Procurement Daimler Trucks & Buses. Nach seinem Ingenieursstudium an der RWTH Aachen promovierte er an der Universität Stuttgart. Der gebürtige Westfale stieß 1995 zur damaligen Daimler-Benz AG. Nach Stationen im Manufacturing Process Engineering von Mercedes-Benz und bei Commercial Vehicles Europe wurde er 2002 Director Procurement Powertrain Commercial Vehicles. Einige Jahre später folgte die Position als Director After-Sales Technics Passenger Cars. 2013 kehrte er als Vice President Global Procurement Daimler Trucks & Buses in den Einkauf zurück.


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