Balg? Back to the Garage!

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Effizienter arbeiten, Kosten minimieren – das klingt nach einem klassischen Win-Win. Die Gewinnerformel lautet an dieser Stelle Back to the Garage. Was sich dahinter verbirgt, erklärt der Procurement Trucks & Buses Einkäufer Daniel Longhino und die Projektmanagerin für Motorenprojekte Tanja Schmidt.

Frau Schmidt, Herr Longhino: Danke für Ihre Zeit. Im Vorgespräch haben Sie berichtet, dass durch die Back to the Garage Initiative neue Ideen für die Produkte unserer Lieferanten entwickelt werden konnten. Was steckt dahinter?

Daniel Longhino: Im Grunde geht es darum, bestehende Lieferanten in die Prozessoptimierung mit einzubinden und Ihnen einen Anreiz zu geben, aus eigenen Stücken eine Optimierung an ihrem Produkt voranzutreiben. In unseren Lieferanten steckt so viel Know-how und Innovationskraft. Mit Back to the Garage wollen wir genau diesen stärken Freiraum geben.

 

Tanja Schmidt: Denn wenn wir unsere Trucks & Busse weiter verbessern wollen, dann brauchen wir vor allem eins: Neue Ideen! Und das ist es, was wir mit Back to the Garage erreichen wollten und auch geschafft haben. Wir haben unsere Lieferanten wortwörtlich in die Werkstatt (engl.: Garage) gebracht und konnten so insgesamt 20 Ideen gemeinsam entwickeln. Sechs Ideen befinden sich bereits im Umsetzungsprozess, bei den übrigen Ideen arbeiten wir derzeit noch gemeinsam an der Umsetzung. Aber alle haben zum Ziel, unsere Fahrzeuge noch ein Stück besser zu machen. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist die Idee „So viel Balg wie nötig“ von unserem Lieferanten Witzenmann, der ein Ideenkonzept am Balg eines seiner Bauteile erstellt hat. Übrigens: ein Balg ist ein ringförmiger Zylinder aus Metall zum Ausgleich von Bewegungen.

 

Klingt vielversprechend. Wie genau war der Prozess?

Daniel Longhino: Witzenmann liefert u.a. Abgaskrümmerendstücke für schwere und mittelschwere LKW/Motoren. Das sind hervorragende Produkte. Da kommt immer 1A-Qualität – und das seit vielen Jahren. Dennoch war es das Ziel, dass wir das Produkt gemeinsam weiterentwickeln und auf das nächste Level heben. Das hatten wir uns als Ziel vorgenommen. Und das haben wir erreicht: durch den Workshop konnten wir das Produkt durch Material- und Technologieänderung optimieren. Und im Einkauf sparen wir noch einen guten sechsstelligen Betrag. Diese Idee der Firma Witzenmann hat es geschafft uns von der Innovationskraft des Lieferanten zu überzeugen.

 

Hinter Back to the Garage steckt also ein Effizienzkonzept?

Tanja Schmidt: Eher ein Methodenansatz. Bisher haben wir uns meist auf eine klassische crossfunktionale Ideenfindung fokussiert. Unter der Berücksichtigung neuer agiler Prozesse oder dem Design-Thinking fragt man den Kunden bzw. Partner. In unserem Fall den Lieferanten. Was ist, wenn der Lieferant Ideen hat, die wir nicht sehen können, weil die Rahmenbedingungen zu eng sind? Das wollten wir nicht mehr und haben beschlossen, dass wir den gesamten Prozess für den Lieferanten auflockern.

 

Wie habt Ihr das genau durchgeführt?

Daniel Longhino: Der Prozess bestand aus zwei Teilen: Als erstes der Workshop, bei dem wir die Lieferanten intensiv auf ihre Aufgabe vorbereitet haben und ihnen das gemeinsame Ziel deutlich gemacht haben. Nachdem Workshop hatten die Lieferanten die Aufgabe, in enger Abstimmung mit unserem crossfunktionalen Team drei Ideen zu generieren, wie sie ihre Produkte verbessern können und diese mit in den Supplier Pitch zu nehmen. Im Supplier Pitch ging es nur um die Ergebnisse. Bei der Vorbereitung und Durchführung haben uns die Kollegen der Abteilung FC Think! Tank unterstützt. Dadurch konnten wir den Start-up Spirit in unser Projekt übernehmen. Zugleich haben wir eine klare Linie verfolgt. Jeder Pitchteilnehmer hatte genau 10 Minuten, um die Jury von seinen Ideen zu überzeugen.

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Mit der Virtual-Reality Brille wird im sogenannten Holodeck alles ganz genau unter die Lupe genommen.

Viel Aufwand für den Lieferant also?

Tanja Schmidt: Der sich aber lohnt! Denn durch die intensive Zusammenarbeit bekommt der Lieferant die methodischen Werkzeuge an die Hand, um selbst neue Ideen generieren zu können. Die Unterstützung von uns im Bereich Design-Thinking, aber auch die Zusammenarbeit mit unserem crossfunktionalen Team aus verschiedenen Bereichen, stellt unseres Erachtens nach einen enormen Mehrwert dar.

 

Und wie geht’s weiter?

Daniel Longhino: Auch 2019 werden wir wieder innovative Lieferanten zu uns in die Garage einladen und Ihnen die Möglichkeit geben Ihre Innovationskraft unter Beweis zu stellen.  Auf den intensiven Austausch mit den Lieferanten freuen wir uns schon sehr.

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Das Gewinnerteam von Witzenmann. Jochen Keinath (links), Richard Kimmerle (mitte), Jörg Hornung (rechts).

Durch den „Back to the Garage“ Ansatz wurden den Lieferanten detaillierte Einblicke in die Daimler Methoden und Werkstätten gegeben. So konnten im „Benchmark room“ die Unterschiede der Bauteile mit den Daimler Kollegen direkt besprochen und erste Ansatzpunkte für neue Ideen gewonnen werden.

Jochen Keinath, Key Account Manager Daimler Nutzfahrzeuge, Witzenmann


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Datum:
04.10.2018
Autor:
Fabian Marzinzik
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