Zentral-Osteuropa im Fokus

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International Procurement Services (IPS) beschafft weltweit Nicht-Produktionsmaterial und Dienstleistungen. Immer wichtiger dabei: die Länder Osteuropas. Denn hier findet man hohe Qualität in Kombination mit überschaubarem logistischem Aufwand.

Im Zuge des Global Sourcing gewinnen zentral-osteuropäische Märkte für International Procurement Services (IPS) zunehmend an Relevanz. Die Qualität der Produkte aus Ländern wie Ungarn, Rumänien und Tschechien ist hoch, das Lohnniveau trotz gestiegener Löhne noch immer vergleichsweise niedrig. Der logistische Aufwand ist verglichen mit etablierten asiatischen Beschaffungsmärkten überschaubar, dank handelspolitischer Rahmenbedingungen (vor allem innerhalb des Schengen-Raums und der Europäischen Union), einer wachsenden Infrastruktur und verhältnismäßig kurzer Wege.

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Daimler startet Produktion von Neungang-Automatikgetrieben in Rumänien: Die neu entstandene Produktionsfläche bei der Daimler-Tochter Star Assembly in Sebes entspricht der Größe von circa zehn Fußballfeldern.

Die Zahlen sprechen für Zentral-Osteuropa

Die Entwicklungstendenzen für diese Länder sind ebenfalls vielversprechend. Das EU Förderprogramm „Connecting Europe Fazilität“ (CEF) sorgt für Investitionen in den Verkehrs-, Telekommunikations- und Energiesektor. Bis 2020 werden dafür rund 30 Milliarden Euro eingesetzt. Mehr als die Hälfte dieser Investitionen fließen in die osteuropäischen Mitgliedsstaaten. Aktuell können deutsche Unternehmen vor allem von der robusten Entwicklung Polens, Tschechiens und Rumäniens profitieren. Beispielsweise betrug das Wachstum der tschechischen Volkswirtschaft 2015 satte 4,2 Prozent; die Arbeitslosenquote liegt derzeit unter 5 Prozent. Im Vergleich zu 2015 wird die Wachstumsdynamik Tschechiens in den kommenden Jahren etwas abnehmen, die gesamtwirtschaftlichen Zuwachsraten sollten aber weiterhin über dem westeuropäischen Durchschnitt liegen.

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Entwicklung des mittel-/osteuropäischen Bruttoinlandsprodukts gegenüber Westeuropa von 2008 bis 2015.

Aktivitäten in Ungarn, Rumänien und Polen

Ebenfalls im Zusammenhang mit der Intensivierung der Produktion in Europa wird den osteuropäischen Märkten eine zunehmende Bedeutung beigemessen. Daimler baut seine bestehenden Produktionskapazitäten in Zentral-Osteuropa sukzessive aus. Beispiele sind das Werk im ungarischen Kecskemét, sowie die Getriebefertigung in Sebes, Rumänien. In Kecskemét wird Daimler bis 2018 rund 580 Millionen Euro investieren; in die technologische Weiterentwicklung sowie in den Ausbau der Produktion. Im rumänischen Sebes startete im April 2016 die Produktion des Neungang-Automatikgetriebes 9G-TRONIC. Daimler baut damit die Kapazitäten in der Getriebefertigung aus. Die neu entstandene Produktionsfläche entspricht der Größe von circa zehn Fußballfeldern. Weitere 500 Millionen Euro fließen in einen ersten polnischen Produktionsstandort, 70 km von Breslau entfernt. (Künftig sollen hier Vierzylinder-Benzin- und Dieselmotoren für Mercedes-Benz Pkw produziert werden).
Der Einkaufsbereich IPS muss die Strukturen des Osteuropäischen Beschaffungsmarktes daher in Zukunft noch intensiver durchdringen. Rechtliche und sprachliche Kompetenzen für lokale Verhandlungen gilt es zu erschließen und in nachhaltige Lieferantenbeziehungen vor Ort zu investieren.

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Grundsteinlegung der neuen Karosserierohbauhalle im Mercedes-Benz Werk Kecskemét am 29. April 2016 (v.l.n.r.): Christian Wolff, CEO und Standortverantwortlicher der Mercedes-Benz Manufacturing Hungary Kft.; Péter Szijjártó, ungarischer Außenminister; Klaudia Szemereyné Pataki, Bürgermeisterin der Stadt Kecskemét; Michael Göbel, Leiter Produktion Kompaktfahrzeuge Mercedes-Benz Cars.

Globale Beschaffung mit optimaler Kombination

Die Gründe für die Globalisierung der Beschaffungsaktivitäten liegen aus Sicht des Einkaufs klar auf der Hand: eine größere Lieferantenauswahl etwa, die für zunehmenden Wettbewerb sorgt. Ein weiterer Vorteil sind geringere Risiken, wenn dasselbe Gut von mehreren Anbietern parallel beschafft werden kann. Stichwort: Redundanzen von Beschaffungsquellen. Daneben bestehen aber auch einige Risiken. Mit einer ausgeweiteten Beschaffung steigt die Komplexität. Prozesse und Logistikkosten können sich erhöhen. Teurer kann es für das Unternehmen auch aufgrund der weiteren Transportwege und Zölle werden. Just-in-time Lieferungen werden schwieriger, wenn Zeitpuffer einzuplanen sind.
IPS muss für jede eingekaufte Leistung die bestmögliche Kombination aus Qualität, Preis, Innovation und Timing gewährleisten. Je nach Leistung müssen diese unterschiedlich priorisiert werden. Auch muss nachvollzogen werden, wie sie am Markt ausgeprägt sind. Welcher Beschaffungsmarkt wann optimal ist, hängt von makro- und mikroökonomischen Faktoren ab. Dazu gehören Arbeitslosigkeit, Inflation oder Zahlungsbilanz und Marktstrukturen. Dementsprechend ändern sich optimale Beschaffungsmärkte zeitlich und örtlich.

Datum:
02.06.2016
Autor:
International Procurement Services
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