Vom Radio zum Auto

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Vor knapp 100 Jahren war die Preh GmbH aus Bad Neustadt an der Saale ein Pionier des Rundfunks. Heute überzeugt Preh mit seinen Innovationen im Bereich „Automotive Electronics“.

Auf den ersten Blick wirken sie eher unscheinbar. Kleiner als eine Briefmarke. Aber trotzdem haben die Fahrer der neuen Mercedes-Benz E-Klasse damit alles im Griff. „Touch Control Buttons“ heißt die Weltneuheit. Diese zwei in das Lenkrad integrierten Buttons reagieren auf kleinste Wischbewegungen der Daumen. Und steuern so das Infotainment-System. Beide Hände bleiben dabei immer fest am Lenkrad. Entwickelt hat die „Touch Control Buttons“ der Automobilzulieferer Preh aus dem unterfränkischen Bad Neustadt an der Saale. In enger Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz.

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Touch Control Buttons - der Daumen steuert das Infotainment-System.

Hierfür wurde Preh beim „Daimler Supplier Award“ mit dem „Special Award“ ausgezeichnet. Christoph Hummel, der Vorsitzende der Preh-Geschäftsführung ist darüber sehr erfreut: „Wir verstehen den Award nicht nur als Lob für unsere Innovationskraft und Qualität, sondern auch als Ansporn für künftige Projekte.“

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Daimler Supplier Award: Christoph Hummel (rechts) mit Thomas Weber, Vorstandsmitglied Daimler AG, Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung.

Am Anfang war das Radio

Begonnen hat alles 1919 in einer Gastwirtschaft. In der unterfränkischen Kleinstadt Neustadt an der Saale wurden aber weder Schmalzbrote geschmiert, noch Schnitzel geklopft. Firmengründer Jakob Preh zweckentfremdete Kegelbahn und Tanzsaal und nutzte die Räumlichkeiten für die Produktion von Steckdosen und elektrischen Schaltern. 1923 folgten Zubehörteile für die ersten Gehversuche des Rundfunks. Ein Jahr später waren die Gasthaus-Tüftler mit einem eigenen Radiogerät am Markt, dem Zwei-Röhren-Empfänger „Preh-Funk“. 200 Mitarbeiter standen damals in Lohn und Brot. 1932 begann ein kurzes Intermezzo als Automobilzulieferer. Gebaut wurden Autowinker und Rückleuchten.

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Der Zwei-Röhren-Empfänger „Preh-Funk“ aus dem Jahr 1924.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag der Fokus bei Preh auf Spielwaren. Ferngesteuerte Blech-Autos und Puppen aus Polystyrol. Preh war zeitweise der drittgrößte Puppenhersteller in Deutschland. Mit dem Einzug des Fernsehers in die Wohnzimmer eröffneten sich für Preh in den 60er Jahren neue Möglichkeiten. Entwickelt und produziert wurden Potentiometer, Abstimmspeicher und Steckverbinder.

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Montage von Bauelementen für Rundfunkgeräte in den 20er Jahren.

Die komplette Neuausrichtung des Unternehmens erfolgte dann Ende der 80er-Jahre. Weg von der Radio- und TV-Elektronik, hin zur Automobiltechnik. Zu den ersten Produkten zählten Heizungs- und Klimabediensysteme, Bedienteile für die ersten Bordcomputer und potentiometrische Sensoren für die Drosselklappensteuerung. Die direkte Zusammenarbeit mit der Daimler AG begann 2005. Für die Mercedes-Benz S-Klasse lieferte Preh mechatronische Bedienelemente. Im Nutzfahrzeugbereich Multifunktionsschalter.

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Fertigung der Touch Control Buttons.

Seit 2011 gehört die Preh GmbH zur chinesischen Joyson-Gruppe. Hier repräsentiert Preh die Unternehmensbereiche „Automotive Electronics“ und „Automation“. Ende 2015 beschäftigte Preh weltweit rund 4.900 Mitarbeiter. Neben dem Stammsitz in Bad Neustadt auch in Portugal, Rumänien, China, Mexiko und den USA. Mit den Übernahmen von TechniSat Automotive und dem Automationsspezialisten EVANA im April 2016 befindet sich Preh weiter auf Wachstumskurs. Die Preh-Gruppe steigerte damit die Zahl der Beschäftigten auf rund 6.200.

Neben Preh und Handtmann werden bis zur nächsten Verleihung weitere Gewinner des Daimler Supplier Award 2015 porträtiert.

Datum:
16.06.2016
Autor:
Rasmus Muttscheller
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