„Ob groß oder klein: die Idee muss überzeugen!“

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Die für das automatisierte Fahren benötigten Systeme entwickelt Daimler Trucks mit Partnern aus der Industrie. Dafür vernetzt sich Frank Hermes eng mit weltweiten Lieferanten. Der Global Lead Buyer ist Experte für automatisiertes Fahren im Daimler Trucks & Buses Einkauf und erklärt im Interview, warum Lieferanten eine entscheidende Rolle für den Erfolg des automatisierten Fahrens spielen.

Herr Hermes: Mit dem Freightliner Inspiration Truck im US-amerikanischen Nevada und einem Mercedes-Benz Actros in Deutschland hat Daimler Trucks bereits Kompetenz beim automatisierten Fahren gezeigt – wo wollen wir bei dem Thema hin?

Hermes: Beim automatisierten Fahren gibt es fünf Stufen. Derzeit befinden wir uns in Stufe eins, mit einer Vielzahl von Fahrerassistenzsystemen. Wir arbeiten derzeit daran, relativ schnell weitere Level des automatisierten Fahrens zu entwickeln.  Unser Ziel ist, auf gewissen Strecken, wie beispielsweise der Autobahn, automatisiert zu fahren.

Das ist die Produkt- bzw. Entwicklersicht – wo kommen Sie denn da als Einkäufer ins Spiel?

Auch der Einkauf blickt gerne in die Zukunft (lacht). Spaß beiseite. Gemeinsam mit unseren Kollegen aus der Daimler Trucks-Entwicklung und unseren Lieferanten-Partnern schauen wir, wie wir unsere zukünftigen Ziele erreichen. Daher beschäftigen sich meine Kollegen und ich im Rahmen einer Beschaffungsmarktstudie damit, wer uns beim vollautomatisierten Fahren unterstützen könnte.

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Daimler Trucks & Buses Einkaufsexperte Frank Hermes erklärt im Interview, warum Lieferanten beim automatisierten Fahren von Trucks eine entscheidende Rolle spielen.

Was suchen wir für den vollautomatisierten Truck der Zukunft?

Da gibt es viele Themen: beispielsweise künstliche Intelligenz, Machine Learning, Objekterkennung, optimale Trajektorienberechnung. Unsere Recherche erstreckt sich über die für das automatisierte Fahren relevanten Hard- und Softwarebereiche. Wir stellen uns Fragen wie: Was brauchen wir für Komponenten? Und wie erschaffen wir die künstliche Intelligenz, die den Truck zukünftig vollautomatisiert über die Straßen lenken soll? Denn da ist viel “Rechenpower” gefragt.

Das müssen Sie näher erläutern.

Da wäre das Thema Brems- und Lenkaktuatorik auf der Hardware-Seite. Auf der Software-Seite geht es darum, wie das Fahrzeug interagiert — sprich: wann wird automatisiert gelenkt und gebremst?

 

Dann das Thema Konnektivität. Hier brauchen wir Kommunikationseinheiten, um Fahrzeugdaten und Position zu übermitteln. Und das Ganze muss natürlich strengsten Cyber Security-Kriterien entsprechen.

 

Last but not least: die Hardware-Power. Da sind Prozessor, Speicher und die Anbindungen der Sensoren. Schließlich muss der Truck auf der Software-Seite die vor sich liegende Fahrbahn topografisch erfassen, die Fahrstrategie errechnen, Objekte erkennen etc.. Gerade in der Objekterkennung und Klassifizierung liegt eine Herausforderung.

Inwiefern?

Zuerst einmal ist Daimler Trucks seit jeher bestrebt, die besten und auch die sichersten Lkw der Welt zu bauen. Modernste Sensoren-Technik wird uns dabei helfen. Das Schlüsselwort hier lautet “LiDAR” — light detection and ranging. Das ist eine dem Radar verwandte Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung. Statt der Radiowellen wie beim Radar werden Laserstrahlen verwendet. In der Zukunft des automatisierten Fahrens wird das eine entscheidende Rolle spielen, um Hindernisse zu erkennen und die Umgebung genau abzubilden.

Und momentan ist beim Thema LiDAR noch nicht entschieden, welche Technologie hier in Zukunft das Rennen machen wird. Da schauen wir vom Einkauf genau drauf.

Auf welche Art von Lieferanten sind Sie im Rahmen Ihrer Beschaffungsmarktstudie gestoßen?

Da sind neben den Etablierten auch viele neue Player dabei. Gerade bei den Softwarelösungen. Wir schauen uns da alles an — vom chinesischen Start-Up bis zum etablierten Großkonzern. Extrem spannend und vielversprechend, was sich da tut. Es gibt beispielsweise Lieferanten, die aus dem Consumer-Bereich kommen. Die haben bisher Smartphones oder Computer- und Grafikchips hergestellt und entwickeln sich nun in Richtung Automobilindustrie.

Und wie geht’s nun weiter?

Wir suchen weiter die besten Technologiepartner, die unsere Vision des vollautomatisierten Fahrens mittragen. Dabei ist egal, ob der Name groß oder klein ist. Die Idee und die Technologie muss überzeugen!

Datum:
29.05.2018
Autor:
Carsten Wiebel
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