Metalle der Zukunft

Metals in the Future 2018, London

Mit dem Ausbau der Elektromobilität steht die Automobilindustrie vor neuen Herausforderungen. Mercedes-Benz Cars benötigt für die Produktion nicht nur Stahl, Aluminium und Kupfer sondern verstärkt auch Lithium, Kobalt und Nickel. Metalle mit teilweise kritischer Herkunft.

Es ging um die Zukunft der Metalle. Und auch um die Metalle der Zukunft. Bei der Konferenz „Metals in the Future“ in London. Im März diskutierten zwei Tage lang über 100 Teilnehmer darüber, wie sich grüne Technologien langfristig auf Angebot und Nachfrage bei Metallen auswirken. Welche Metalle werden künftig stärker nachgefragt? Welche weniger? Die Teilnehmer kamen alle aus der Welt der Metalle. Produzenten, Händler, Analysten. Eine Ausnahme: Sabine Angermann von Mercedes-Benz Cars. Bei dem Automobilhersteller ist sie Director Procurement, Supplier Quality & Sustainability. Titel ihres Vortrags: „Importance of sustainability in supply chains.“ Das Thema spielt bei der Daimler AG bereichsübergreifend eine wichtige Rolle: Experten aus Einkauf, Compliance und Integrität arbeiten hier eng zusammen, um eine nachhaltige Lieferkette sicherzustellen.

Metals in the future -_SabineAngermann_Mercedes-Benz Cars, Einkauf & Lieferantenqualität
Sabine Angermann: „Lieferketten müssen nachhaltig sein.“

„Die Zukunft des Automobils ist elektrisch. Deshalb werden wir bis 2022 das gesamte Mercedes-Benz Portfolio elektrifizieren. Bis 2025 rechnen wir mit einem Anteil der Elektromodelle am Gesamtabsatz von 15 bis 25 Prozent“. Diese Botschaft schickte Sabine Angermann ihrem Vortrag voraus. Das hat erst mal nichts mit Metall zu tun. Oder doch? „Mit dem Ausbau der Elektromobilität entstehen neue Herausforderungen für die Automobilindustrie, denn in Antrieb, Batterie und Leistungselektronik eines Elektrofahrzeugs stecken viele hochwertige Materialien“, so Angermann weiter. Und damit war sie dann auch schon bei den Metallen angelangt.

In ausreichender Menge vorhanden, aber…

Für den Umstieg auf die Elektromobilität werden vor allem Lithium, Kobalt und Nickel benötigt. Diese Metalle sind heute in ausreichender Menge vorhanden. Langfristig wird die Versorgung aber nur dann gesichert sein, wenn sie umwelt- und sozialverträglich in vertretbaren Mengen abgebaut und recycelt werden. Mercedes-Benz Cars bezieht viele der Metalle nicht direkt. Die Lieferketten umfassen dabei sehr viele Sub-Lieferanten. Die Daimler AG verpflichtet deshalb ihre Lieferanten, die Nachhaltigkeitsstandards innerhalb der Lieferkette mit Nachdruck weiterzugeben und zu kontrollieren. Diese Nachhaltigkeitsstandards sind bereits seit Jahren in den Daimler Supplier Sustainability Standards definiert. Wesentliche Bestandteile sind Anforderungen zu Arbeitsbedingungen und die Einhaltung der Menschenrechte, etwa das ausdrückliche Verbot von Kinderarbeit. Gemeinsam mit den Kollegen aus den Bereichen Integrität und Group Compliance werden diese Anforderungen regelmäßig überprüft und bei Bedarf ergänzt.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

„Nicht nur der Tier1-Lieferant muss nachhaltig arbeiten, auch die komplette Lieferkette muss nachhaltig sein“, so die Kernaussage des Vortrags von Sabine Angermann. Um dies sicherzustellen, entwickeln die zentralen Einkaufsbereiche von Daimler und die Bereiche Integrität und Group Compliance ein Risikomanagementsystem für Menschenrechte in den Lieferketten. Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu identifizieren und bei Bedarf geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Um die Lieferkette zu kontrollieren, führt Mercedes-Benz Cars „Supply Chain Walks“ durch. Ausgangspunkt ist der Tier1-Lieferant und dann geht der Weg einmal durch die komplette Lieferkette. Bis zur Mine. Angermann: „Diese Vor-Ort-Kontrollen werden von unseren 700 Qualitätsingenieuren und Sustainability-Experten vorgenommen.“ Und was passiert, wenn die Nachhaltigkeitsstandards nicht eingehalten werden? „Wenn es notwendig ist, trennen wir uns auch von einem Lieferanten“ sagte Angermann.

MetalsInTheFuture_Plenum
Metall-Experten im Plenum bei „Metals in the Future“.

Daimler investiert seit Jahren in ressourceneffiziente Technologien und Herstellungsverfahren für Batterien. Ziel: Die Erhöhung der Energiedichte. Bei gleichem Volumen mehr Energie speichern. Und: Die Materialzusammensetzung der Lithium-Ionen-Batterien wird sich verändern. Die heute übliche Mischung aus gleichen Teilen von Kobalt, Nickel und Mangan dürfte bald der Vergangenheit angehören. Denn Kobalt wird weitgehend durch Nickel abgelöst. Ab 2025 setzt man auf Post-Lithium-Ionen-Technologien. Ohne Nickel und Kobalt. Die Zukunft der für den Automobilbau benötigten Metalle ist also sehr dynamisch.

Datum:
26.03.2018
Autor:
Rasmus Muttscheller
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