Manage global – act local

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Bei der Anlagenbeschaffung arbeiten Planung und Global Commodity Management eng zusammen. Einblick liefern Hubert Reinkunz, Leiter Planung Karosseriebau Z3, Matthias Hoefer, Teilprojektleiter Rohbau S-Klasse BR223 und Andreas Reinhardt, Global Commodity Manager Einkauf Rohbauanlagen Cars.

Pkw mit Stern sind beliebt wie nie. Mit Werken rund um den Globus deckt Mercedes-Benz die Nachfrage auch lokal ab: Neue Chancen auch für Produktion und Einkauf. Wie nutzen Sie diese?

Reinkunz: Planung und Einkauf arbeiten über alle Standorte weltweit eng zusammen und das sehr effizient, da wir standardisierte Prozesse implementiert und umgesetzt haben. Das bringt uns entscheidende Vorteile gegenüber dem Wettbewerb.

Reinhardt: Um unsere Fachbereiche optimal zu unterstützen, haben wir das Global Commodity Management an aktuelle Anforderungen angepasst – etwa durch die Nutzung unserer lokalen Einkaufsexpertise an den Standorten und dem Aufbau eines internationalen Lieferantenportfolios. So lassen sich internationale Zulieferermärkte umfassend nutzen und Warengruppen effizient beschaffen. Von unserer übergeordneten Vergabestrategie profitieren alle Beteiligten. Wie kürzlich beim Einkauf der S-Klasse Rohbauanlagen.

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Wettbewerbsvorteile: Weltweit arbeiten Planung und Einkauf standortübergreifend effizient zusammen.

Wie sahen die Anforderungen des Planungsbereichs in der Ausschreibungsphase aus?

Reinkunz: Die S-Klasse ist das Flaggschiff von Mercedes-Benz. Mit ihr bringen wir viele Innovationen erstmals in Serie, etwa vermehrt Leichtbau-Karosserieteile. Neben der Herstellung, Montage und Inbetriebnahme der Rohbauanlagen gehörte deshalb auch die Abstimmung der Fertigungstechnologien, wie z.B. Schweißen, Kleben oder Nieten zum Ausschreibungsumfang. So standen insbesondere die Qualifizierung der Lieferanten im Fokus und die Vergabestrategie. Dabei ging es um die Frage, den komplexen Auftrag in Paketen oder komplett zu beauftragen. Zudem musste sichergestellt sein, dass die Zulieferer neben der geforderten Performance auch Kapazitäten frei hatten.

Welche Rolle spielte dabei das Global Commodity Management?

Reinhardt: Unsere Aufgabe bestand darin, die Ansprüche der Planung und die vereinbarten Kosten- und Preisziele in Einklang zu bringen. Dafür haben wir bewährte Partner als auch neue Anlagenlieferanten identifiziert. Wir haben auf standortspezifisches Marktwissen zugegriffen und es zentral für die S-Klasse verfügbar gemacht. Zur globalen Steuerungsfunktion gehörte neben der Auswahl qualifizierter Zulieferer auch die Marktanalyse, in der wir unter anderem den bestmöglichen Vergabetermin identifiziert haben, der auch den Lieferanten eine günstige Auftragssteuerung ermöglicht.

Die globale Einkaufsstrategie eröffnet Lieferanten auch Chancen für weltweite Vergaben?

Reinhardt: Genau, das Global Commodity Management identifiziert Zulieferermärkte, die für uns bisher noch nicht erschlossen sind. Dafür besichtigen wir sogar Betriebe vor Ort, gemeinsam mit dem lokalen Einkauf und den technischen Kollegen aus Planung und Produktion. Auch die eventuelle Nachqualifizierung interessanter Partner gehört dazu. Im Rahmen der S-Klasse Vergabe und der durchgeführten Beschaffungsmarktuntersuchung in China fanden wir so in kürzester Zeit weitere lokale Lieferanten, bspw. in China, die nun auch bei der Ausschreibung für die C-Klasse Rohbauanlagen dabei sind. Und auch die etablierten Lieferanten profitieren von unseren verbesserten Marktkenntnissen, da hierdurch neue Kostenpotenziale identifiziert werden, ohne die langfristig die Wettbewerbsfähigkeit verloren ginge. Das Global Commodity Management fungiert hier als Bindeglied und zentraler Ansprechpartner und schafft Transparenz auf allen Seiten: Für die Planungsbereiche, für die lokalen Einkäufer und Lieferanten.

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Transparenz bei allen Beteiligten: Das Global Commodity Management als Bindeglied zwischen Planung, Einkauf und Lieferanten.

Werden noch weitere Erkenntnisse auf das C-Klasse Projekt übertragen?

Hoefer: Ja, denn das Global Commodity Management ermöglichte ein sehr gutes Gesamtergebnis. Neue Lieferanten haben den Wettbewerb intensiviert. Davon wird jetzt auch die neue C-Klasse profitieren: Denn die neuen „Mitspieler“ haben sich im Rahmen der Ausschreibungsphase der S-Klasse mit unseren Standards, Tools, Anforderungen und unserem Lieferantenbewertungssystem vertraut gemacht. Dies stellt sicher, dass wir im Rahmen der C-Klasse Ausschreibung ein breites Spektrum an sowohl kaufmännisch als auch technisch ernst zu nehmenden Wettbewerbern im Bieterkreis haben werden.

Reinhardt: Bei der aktuellen Ausschreibung für die C-Klasse zeigt sich ein weiterer Vorteil des globalen Commodity Managements. Anders als die S-Klasse, die ausschließlich in Sindelfingen vom Band rollt, wird die C-Klasse in vier Werken gefertigt. Die übergeordnete Vergabestrategie sichert allen Standorten die gleichen optimalen Konditionen zu. Die Umsetzung in Bremen, Kecskemét, East London und Peking erfolgt jedoch lokal. Denn so lassen sich alle länderspezifische Besonderheiten ideal berücksichtigen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor hier ist eine enge und zentrale Abstimmung zwischen dem Planungsbereich und dem Global Commodity Manager, welcher dann die relevanten Informationen den lokalen Einkäufern zur Verfügung stellt und umgekehrt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Datum:
15.03.2018
Autor:
Birgit Hennefarth
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