LAB 1886: Marktplatz der Pioniere

Mehr Geschwindigkeit bei der Umsetzung innovativer Ideen: Neue Innovationsmaschinerie: Aus Business Innovation wird Lab1886

In Stuttgart, Berlin, Sunnyvale und in Peking entwickeln Mitarbeiter der Daimler AG im LAB 1886 innovative Projektideen zur Marktreife. Agil und unabhängig, eben unter Start-up-Bedingungen. Hier sind Geschäftsmodelle wie car2go, die moovel App oder die Kooperation mit der STARTUP AUTOBAHN entstanden. Wir haben mit Susanne Hahn, Leiterin des LAB 1886 über ihren Bereich gesprochen.

Können Sie uns kurz erklären, warum Daimler einen eigenen Innovationsbereich braucht. Schließlich arbeiten doch bei Daimler viele Mitarbeiter ohnehin an Innovationen?

 

Natürlich arbeiten viele Mitarbeiter bei Daimler tagtäglich daran, dass unsere Produkte auch zukünftig Maßstäbe in der Automobil- und Mobilitätsbranche setzen. Unser Inkubator Lab1886 hat das Ziel und den Auftrag, die Entwicklung und Umsetzung von innovativen neuen Geschäftsmodellen voranzutreiben. Mit unserem neuen Inkubator gehen wir einen Schritt weiter und möchten künftig verstärkt die Innovationskraft der Daimler-Mitarbeiter fördern. Hat eine Idee Potenzial und übersteht die Auswahlphase, kann diese mit agilen Methoden und unkoventionellen Vorgehensweisen unter Start-up-Bedingungen weiterentwickelt werden. Wir als Lab1886 versuchen, durch unsere zehnjährige Erfahrung die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zu unterstützen und so die Idee innerhalb von Monaten möglichst schnell zur Marktreife zu entwickeln. Dafür stehen unsere Inkubatoren in Stuttgart, Berlin, Sunnyvale im Silicon Valley und in Peking bereit.

„Agil“ und „innovativ“ wollen heute alle Arbeitgeber sein. Der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter ist groß. Wo rekrutieren Sie die Mitarbeiter, die Sie für das LAB1886 brauchen? Und welche Anforderungen stellt Daimler an sie?

 

Zunächst einmal haben alle motivierten Mitarbeiter bei Daimler die Möglichkeit, ihre Ideen beim Lab1886 einzureichen. Beweist eine Idee ihr Potenzial und besteht alle Auswahlprozesse, dann wird für die Inkubationsphase ein Team aus den Ideengebern und Spezialisten aus dem Inkubator zusammengestellt. Die Anforderungen an ein Team sind vor allem der Wille zu gewinnen, Tatendrang und eine konkrete Vorstellung davon, wie die Idee effizient umgesetzt werden kann.

Daimler-Mitarbeiter arbeiten meist in Festanstellung unter den Bedingungen von Tarifverträgen. Wie passt die Arbeitsweise des LAB1886 mit den Strukturen eines Großkonzerns zusammen?

 

Genau das ist ein großer Vorteil: Mit dem Know-How und den Sicherheiten des Konzerns können die Pioniere der Zukunft im Inkubator des Lab1886 in einem Start-up-ähnlichen Umfeld arbeiten und trotzdem von den Vorteilen des Konzerns profitieren. Die Mitarbeiter im Lab1886 arbeiten unabhängig und mit eigenen Methoden und Strukturen an der Weiterentwicklung ihrer Ideen und Projekte. Im Konzern versuchen wir durch Know-How, Expertise und Ressourcen bestmöglich zu unterstützen, lassen aber genug Freiraum. Wenn sich ein Projekt als erfolgreich erweist, kann es in den Konzern überführt oder als eigenständiges Unternehmen, wie beispielsweise car2go, weitergeführt werden.

Mit car2go, der moovel App oder STARTUP AUTOBAHN haben Sie gezeigt, wie man innovative Ideen schnell in die Tat umsetzt. Wann kann der Kunde damit rechnen mit dem Airtaxi von A nach B fliegen zu können?

 

Als Mobilitätsanbieter haben wir erkannt, dass die Mobilität der dritten Dimension durch die Urbanisierung und den Technologiefortschritt zunehmend an Bedeutung gewinnt. Deshalb haben wir uns für eine Beteiligung an dem Start-up-Unternehmen Volocopter GmbH entschieden. Volocopter sind autonom fliegende Multicopter mit elektrischem Antrieb – also quasi emissionsfreie Urban-Air-Taxis. Für uns sind Volocopter eine wertvolle Ergänzung der intermodalen, innerstädtischen Mobilität. Der aktuelle Volocopter 2X ist technisch schon sehr weit entwickelt und fliegt sogar schon autonom. Das konnte er eindrucksvoll in Dubai bei einem Test unter Beweis stellen. Es gibt natürlich noch einige Herausforderungen zu meistern. Unter anderem muss die Technologie weiterentwickelt werden, um die Reichweite zu erhöhen, die Regulatorik für den urbanen Luftverkehr muss mit nationalen und internationalen Behörden geregelt und es muss eine Infrastruktur für die Skalierung geschaffen werden.

Welche Erwartungen haben Sie an Ihre jetzigen und zukünftigen Partner/Lieferanten? Aus welchen Branchen sollten sie überhaupt kommen?

 

Grundlegend ist unser Ziel im Lab1886, neue Geschäftsmodelle zu realisieren. Das Schöne daran ist, sich hierbei keine Grenzen setzen zu müssen – das gilt auch für die Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Die Anforderungen an neue Partner sind neben Vertrauen und Ehrlichkeit, dass sie von ihrer Idee überzeugt sind und auch einen Plan haben, wie wir gemeinsam möglichst effizient von einer Idee zur Umsetzung gelangen. Zudem sollten sie aber auch realistisch einschätzen können, was funktioniert und was nicht. Neben einer Vision zählt vor allem Realisierungsdrang sowie der Wille zur Zusammenarbeit im Team. Denn eines haben wir in den vergangenen zehn Jahren Innovationsbetrieb seit Bestehen von Lab1886 gelernt: Innovation geht nur gemeinsam.

Datum:
19.10.2017
Autor:
Mona Moll / Stefanie Schmid
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