In den Besenkammern der Elektronik-Nerds

CES

Schon seit 1967 findet in Las Vegas die Consumer Electronics Show (CES) statt – jahrzehntelang unbeachtet von der Autoindustrie; und auch in der eigenen Branche hatte die Messe immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Seit einigen Jahren allerdings ist die Elektronik-Messe Anfang Januar ein wichtiges Schaufenster für Innovationen nicht nur aus dem Silicon Valley. Mitarbeiter von Daimler waren auf Entdeckungsreise, auch außerhalb des grellen Scheinwerferlichts.

Attraktiv ist anders. Ein Tisch, ein Monitor, ein Plakat. Fertig ist der Messestand. Kein Scheinwerferlicht, keine Hostessen, kein Tamtam. Dafür riecht es nach Hirnschmalz. Was hier auf der Fläche einer mittelgroßen Besenkammer zählt, ist nicht die Verpackung. Entscheidend ist die Idee. In der Messehalle „Eureka Park“ drängen sich über 500 Startups und hoffen auf den Durchbruch. Die Tüftler und Glücksritter kämpfen um die Aufmerksamkeit der Etablierten. Schicksalsfrage: Sind die Ideen auch umsetzbar und massentauglich?

CES

Ein Hingucker ist nicht nur das T-Shirt in leuchtendem Orange. Sondern auch die Virtual Reality-Brille „Impression PI“. Hier wird gerade die Gestensteuerung visualisiert. Die chinesische Firma uSens wurde 2013 gegründet und entwickelt ihre Ideen im Silicon Valley.


CES BreezoMeter

Erst seit 2014 am Markt, eines der weltweit angesagtesten Startups überhaupt: BreezoMeter aus Israel. Das Produkt: Eine „Umweltverschmutzungs-App“. Liefert in Echtzeit Daten zu Wetter und Luftqualität. Und kann in Großstädten den Verkehr um besonders stark belastete Bereiche herumleiten.


CES

Head-Up-Display für alle Autos. Auch die alten. Das Gerät des Startups HUDWAY aus Lettland sieht aus wie ein Brillenetui. Aufklappen, Smartphone reinlegen, fertig ist das HUD. Das HUDWAY Glass soll es ab Mai zu kaufen geben. Für 49 Dollar.

Die Startups auf der CES führen ganz klar vor Augen, welchen Herausforderungen sich die Fahrzeughersteller stellen müssen. Auch deren Einkaufsbereiche. Digitalisierung und die ständig weiter fortschreitende Konnektivität erfordern immer kurzfristigeres Planen. Schon auf der nächsten CES könnte ja eine Innovation vorgestellt werden, die heute noch niemand auf dem Schirm hat. Höchste Aufmerksamkeit ist dabei gefragt. „Im Einkauf gehört es zu unseren Aufgaben, weltweit aktiv nach Innovationen zu suchen. Aufgrund der Nähe zum Silicon Valley ist die CES eine der wichtigsten Veranstaltungen weltweit.“, sagt Klaus Zehender, Bereichsvorstand Mercedes-Benz Cars Einkauf & Lieferantenqualität (MP). „Und wir müssen auch offen sein für ungewöhnliche Ideen von neuen Playern. So klein sie auch sein mögen.“


CES Herr Zehender und Samsung

Die großen Stände unserer heutigen Innovationspartner dürfen aber auf der CES in Las Vegas nicht fehlen. Ebenfalls gut bestückt mit Innovationen und Visionen:


CES

Wohlklang statt Geräusche. Harman setzt auf aktives Sound-Management. Motor- und Störgeräusche werden dabei mittels Gegenschall eliminiert. Und man kann sich ausgefallene Klangräume ins Auto holen. Auf Knopfdruck ist zum Beispiel eine Atmosphäre wie im Wembley-Stadion erlebbar.


CES

Den Sound gibt es auch „To go“. Wenn man die Musik von der Autofahrt im Park weiter hören möchte, nimmt man das tragbare Soundsystem einfach mit. Eine prima Lösung, vor allem für das Kompaktwagensegment.


CES

NVIDIA, Pionier des Visual Computing, drängt in den Markt des Autonomen Fahrens. Mit einem Supercomputer für den Kofferraum von der Größe einer Schuhschachtel und mit eigenen Algorithmen.


CES LG aufrollbares OLED
Foto: LG

Rollbar wie eine Yoga-Matte. Aber viel dünner. LG zeigt die nächste Generation von Monitoren. Mit OLED-Technik. Jede Fläche ist ein potentielles Display. Und die 4K-Auflösung ist immer noch nicht scharf genug. Jetzt kommt 8K.


Vom Spielautomaten ins Auto. 3D-Instrumententafel von Delphi Automotive. Der 3D-Effekt entsteht durch die Verwendung von zwei übereinander liegenden Bildschirmen. Langeweile gibt es hier nicht. Denn der Fahrer hat die Wahl: Modern oder Retro-Look. Die Technik wurde ursprünglich für Videospiele entwickelt. Serienreif will man bis in drei Jahren sein.


CES

Bei den rund 3.600 Ausstellern gab es viel zu entdecken. Verständlich, dass hier nur Platz für ein paar ausgewählte Highlights ist. Welche Trends waren auf der CES 2016 sonst noch zu erkennen? Smart Home, Virtual Reality, lernende Maschinen, selbstfahrende Autos und dröhnende Drohnen. Die beiden Letzteren auch in Kombination. Also selbstfahrendes Auto mit eigener Drohne. Wie hier bei der Schweizer Studie Rinspeed Etos. Mit VIP-Drohnen-Parkplatz.

Datum:
20.01.2016
Autor:
Rasmus Muttscheller
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