IAA: Zukunft erleben

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Wer auf der IAA in Frankfurt die Zukunft des Automobils erleben will, muss auch an den Ständen der Zulieferer vorbeischauen. Klaus Zehender, Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes-Benz Cars, Einkauf & Lieferantenqualität hat sich auf den Weg gemacht. Hier schildert er exklusiv seine Eindrücke.

Die Wege sind weit auf der IAA. Deswegen hab ich mir bequeme Schuhe angezogen und bin losgelaufen. Zu den Ständen der Lieferanten. Rund 400 sind es insgesamt. Ziemlich viele, wie ich finde. Alle zu besuchen ist unmöglich, also hatte ich mir vorab ein paar unserer Partner rausgepickt und mich auf einen langen Fußmarsch durch die Messehallen gemacht. Über die Rollbänder in den Verbindungsgängen war ich nicht unglücklich.

IAA: Dr. Klaus Zehender, Mercedes-Benz, Einkauf & Lieferantenqualität
Dr. Klaus Zehender (rechts): Automobile Zukunft zu Fuß erleben.

Mich hat auf der IAA vor allem eins interessiert: Wie bereiten sich die Lieferanten auf CASE vor? Also auf unsere vier Zukunftsthemen Connectivity, Autonomes Fahren, Shared & Services und E-Mobilität. Was mir gleich positiv auffiel: Lieferanten aus dem „konventionellen“ Bereich drängt es in neue Geschäftsfelder. Das Familienunternehmen Kirchhoff Automotive nutzt Know-how aus der konventionellen Welt für Elektroautos. Der Spezialist für Leichtbau entwickelt Gehäuse für Hochvoltbatterien. Die Kombination aus Stahl und Alu ist crashsicher und wasserdicht. So etwas brauchen wir für unsere EQs. Sehr interessant.

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Kirchhoff: Leichtbau für E-Fahrzeuge.

Über den Tellerrand hinaus schaut auch die Dr. Schneider Unternehmensgruppe. Aktuell setzt sich der Spezialist für Belüftungssysteme mit dem Thema „Sharing“ auseinander. Wie ist das, wenn das gleiche Auto Tag für Tag durch mehrere Hände geht? Dr. Schneider arbeitet an neuen Oberflächen für Bedienungselemente. Diese neu entwickelten Folien sorgen vor allem für Hygiene. Und sie sind selbstheilend. Kleine Kratzer verschwinden also wieder von selbst. Ähnlich wie bei unserer Haut.

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Dr. Schneider: Selbstheilende Oberflächen, kleine Kratzer verschwinden von selbst.

Zutritt nur für ausgesuchte Besucher bei Brose. Hinter verschlossenen Türen darf ich in die Zukunft schauen. Hier wird wieder klar: CASE wirkt in innovativer Weise auch auf klassische Lieferanten und deren klassische Komponenten. Wie zum Beispiel bei einer Autotür. Auf und zu nicht mit dem klassischen Schlüssel sondern elektrisch per App und mit Gestensteuerung. Und den herannahenden Radfahrer erkennt die Tür auch. Sie öffnet sich erst, wenn er vorbeigeradelt ist.

IAA: Dr. Klaus Zehender am Stand von Lieferant Brose.
Brose: Autotüren werden leichter und intelligenter.

Ein Lenkrad, zwei Sitze vorn und hinten die Sitzbank für drei Fahrgäste. Hier müssen wir völlig umdenken. Gerade im Hinblick auf das autonome Fahren. Bei Yanfeng hab ich mir zeigen lassen, wie der Fahrzeuginnenraum in ein paar Jahren aussehen kann. Die starre Sitzordnung wird verschwinden. Das Auto wird sich zu einem erweiterten Lebensraum wandeln. Je nach gewähltem Innenraummodus können die Passagiere reisen, arbeiten oder entspannen.
Für ein paar Minuten zu sitzen, war übrigens ganz angenehm.

IAA: Dr. Klaus Zehender besucht Lieferant Yanfeng
Yanfeng: Umdenken im Innenraum.

Was uns CASE natürlich auch bringt, sind neue Partner. Hersteller aus dem Bereich Consumer Electronics. Wie LG. Displays, nicht rechteckig wie Speckbretter, sondern in allen möglichen Formen. Kameras zur Fahrerbeobachtung. Batteriezellen mit möglichst hoher Energiedichte. „No pictures please“ stand da neben vielen Exponaten im Bereich, zu dem nur ausgewählte Messebesucher Zugang haben. Verständlich, denn zu viel Zukunft sollen die IAA-Spione nun auch wieder nicht erleben.

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LG: Visionen vom Cockpit der Zukunft.

Was nehme ich mit von der IAA? Die Lieferanten kennen CASE. Ob sie CASE auch wirklich können, müssen sie beweisen. Insbesondere die neuen Player aus dem Consumer-Bereich. Auch deren Bauteile müssen crashsicher sein und nicht nur bei Wohnzimmertemperatur funktionieren, sondern auch im eisigen Winter von Alaska und der feuchtschwülen Sommerhitze von Peking. Übrigens, einen der schon seit langem autonom unterwegs ist, habe ich bei meinem Fußmarsch auch noch entdeckt: Lightning McQueen, Hauptdarsteller aus dem Disney-Film Cars.

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Lightning McQueen kann es schon lange: Fahren ohne Fahrer.
Datum:
21.09.2017
Autor:
Dr. Klaus Zehender
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