Feuerwehr im Paket

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Bisher erhielten Aufbauhersteller Einzelaufträge zu verschiedenen Terminen. Künftig will der Einkauf typgleiche Aufbauten für die Daimler-Werkfeuerwehren im Paket anfragen, verhandeln und beauftragen. Mit vielen Vorteilen für die Feuerwehrfahrzeug-Aufbauer.

Sie retten, löschen, bergen: die Werkfeuerwehren der Daimler AG. Dazu nutzen die Feuerwehrwachen der deutschen Standorte insgesamt 168 Spezialfahrzeuge. Mit bis zu 40 Einsätzen pro Tag müssen die Löschzüge, Kommando- oder Gerätewagen Extrembelastungen trotzen. Nach bis zu 20 Jahren Höchstleistung werden sie ersetzt. Dabei erhält das Einkaufsteam für Fahrzeug Auf- und Umbauten bei International Procurement Services (IPS) von jedem Feuerwehrfachbereich individuelle Lastenhefte zur Verhandlung und Beauftragung einzelner Aufbauten. Bei 13 Werkfeuerwehren sowie 42 individuell ausgestatteten Aufbautypen ein aufwendiger, kleinteiliger Prozess. Auch für die beauftragten Lieferanten.

Um es allen Beteiligten leichter zu machen und Synergieeffekte zu nutzen, entwickelten die Einkäufer Ulrich Posselt und Stefan Knödler in enger Zusammenarbeit mit den Feuerwehrfachbereichen eine neue Beschaffungssystematik. Gemeinsam mit den Fachbereichen gestalten sie diese Systematik aus und erproben sie anhand von Piloten.

Give me five – die Bestandteile

Das neue ganzheitliche System umfasst fünf Elemente: das Gesamtleistungsverzeichnis (GLV), die Paketvergabe, das Lieferanten-Set, die Abnahme-Checkliste sowie das Feedback von Erfahrungswerten. Sie alle spielen zusammen und erleichtern Aufbauherstellern die Arbeit.

GLV – geballte Effizienz und Transparenz

Im Gesamtleistungsverzeichnis (GLV) sind erstmals alle Ausstattungsoptionen genau aufgeschlüsselt. Vom Teleskopmast und Schlauch bis hin zum Helm oder Beil. Rund 450 Positionen – für jeden Fahrzeugtyp, mit einheitlicher Bestellnummer gültig für alle Werke. Der Clou: Alle Positionen sind per Mausklick auswählbar und rasch plausibilisiert. Der Aufbauhersteller erhält ein eindeutiges, technisch abgesichertes Lastenheft. Als verbindlicher Standard für Ausschreibung, Angebot, Auftragsabwicklung und Abnahme.

Weg von der Einzelausschreibung hin zu standardisierten Paketen

Ziel ist, die Bestellungen der Werkfeuerwehren für baugleiche Fahrzeuge zusammenzufassen.
Und wer profitiert von den Auftragspaketen? Nach Ulrich Posselts Erfahrung: alle! Sowohl Aufbauhersteller als auch Fachbereiche können über den Volumeneffekt Kosten senken. Zudem können sie Kleinserien schneller fertigen und ihre Produkte verbessern. Nach dem zweiten oder dritten Aufbau sitzt einfach jeder Handgriff. Dank regelmäßiger Ausschreibungen können Aufbauhersteller ihre Kapazitäten zukünftig besser vorausplanen. Nicht zuletzt werden die attraktiven Auftragsvolumen in der Branche wahrgenommen. Die beauftragten Aufbauhersteller können sich damit gut im Markt profilieren.

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Innovations- und Imageträger: top-ausgestattete Werkfeuerwehrfahrzeuge.

Gut, besser, Lieferanten-Set

Damit bei jeder Paketausschreibung die passenden Aufbauspezialisten ausgesucht werden, optimieren Ulrich Posselt und Stefan Knödler den Lieferantenpool. Dabei sucht das Einkaufsteam zusätzlich zu bestehenden neue Aufbauhersteller. Neben der Frage, wer welche Aufbautypen und Umfänge herstellen kann, geht es auch um die anspruchsvollen Qualitätsstandards. Um diese zu erfüllen, führt Daimler crossfunktionale Lieferantenbesuche durch und qualifiziert die Lieferanten damit weiter.

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Daimler Fahrzeuge und Aufbauten, die höchste Anforderungen erfüllen müssen.

Optimal: Checkliste und Feedback

Auch die Abnahme des Fahrzeugaufbaus läuft schneller. Aus dem Lastenheft wird automatisch eine PC-Checkliste mit den Abnahmepunkten generiert. Grün, Gelb, Rot – durch Abhaken mit Farbcodes weiß der Lieferant sofort, woran er ist. Weiterer Pluspunkt: Anmerkungen oder Informationen zu Schwachstellen lassen sich werksübergreifend bündeln und fließen in das MLV ein. Der Aufbauhersteller kann damit seine Abläufe kontinuierlich verbessern – und immer auf die neuesten Technologien und Ausstattungen aufbauen.

Unsere Checkliste erleichtert die Arbeit enorm. Pro Fahrzeug sind nur noch 4-6 Stunden Abnahmezeit notwendig, statt 2 bis 3 Tage. Unser Lieferant war begeistert – und wir haben neue Maßstäbe gesetzt.

Dieter Renner, Wachabteilungsführer Feuerwehr Stuttgart-Untertürkheim

Beste Perspektiven

Nach erfolgreich durchgeführtem Beschaffungspilot sind ab 2017 reguläre Paketausschreibungen geplant. „Mittelfristig können wir Bedarfszeitpunkte bis ins Jahr 2045 synchronisieren und bündeln. Dadurch können die Pakete früher am Markt platziert und vergeben werden“, erläutert Ulrich Posselt. Auch für die Daimler-Werke und Aufbauhersteller in China, Nord- und Südamerika könnte die Systematik langfristig zum gemeinsamen Erfolgsmodell werden. Für Lieferanten weltweit eine Chance, für Daimler in diesem Projekt aktiv zu sein.

Ansprechpartner
Ulrich Posselt ulrich.posselt@daimler.com
Stefan Knödler stefan.knoedler@daimler.com

Datum:
06.10.2016
Autor:
Birgit Hennefarth
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