Eulen nach Las Vegas getragen?

CES2018

Kaum hat das neue Jahr begonnen, hagelt es schon Innovationen. Bei der CES in Las Vegas. Was Eulen mit der Zukunft des Automobils zu tun haben könnten, haben die Innovationsscouts von Mercedes-Benz Cars, Einkauf & Lieferantenqualität, herausgefunden.

Gummistiefel wären nicht schlecht gewesen. Ein Wolkenbruch mitten in der Wüste von Nevada setzte nicht nur Hoteleinfahrten unter Wasser, sondern auch den Google-Pavillon im Außenbereich der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. „Siri, lass es regnen!“ muss da wohl jemand gerufen haben. In mehreren Messehallen fiel immer wieder der Strom aus und so wurde jedem Messebesucher bewusst, dass Elektronik nur mit Elektrizität funktioniert.

4.000 Austeller, darunter 475 Automobilzulieferer. So viele wie noch nie. Vor zehn Jahren ging es bei der CES noch vorwiegend um Toaster, Waschmaschinen und CD-Player. „Das hat sich in den letzten Jahren komplett gewandelt. Die CES ist mittlerweile ein Pflichttermin für die Einkäufer und Qualitätsingenieure der Automobilindustrie“, erklärt Klaus Zehender, Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes-Benz Cars, Einkauf & Lieferantenqualität (MP). „Einmal wegen der dort ausstellenden Lieferanten, aber auch wegen der vielen Start-ups.“ Innovationen in Hülle und Fülle in Las Vegas. Diese galt es für die MP-Scouts zu sichten.

Was erzählt die Eule?

Tausend tolle Sachen gab es überall zu sehen, manchmal musste man fragen, um sie zu verstehen. Wer hat denn zum Beispiel diese kleinen weißen Eulen nach Las Vegas getragen? Geflogen kamen die ja wohl kaum von allein. Antwort: Ling Technology. Softwareunternehmen aus China. Die kleine weiße Eule heißt Luka und ist ein Computer, der Kindern Geschichten vorlesen kann. 50.000 Bilderbücher kennt Luka auswendig, er muss nur einen Blick auf die Bilder dieser Bücher bekommen und schon wird erzählt. Eine Idee, die man auch auf Autos übertragen könnte. Bei der Fahrt reagieren die Kameras auf Gebäude, der Bordcomputer liest die entsprechenden Informationen vor. Warum nicht?

CES2018_Die Eule mit Geschichten_LingTechnologies
Diese Eule ist ein Computer. Er kennt 50.000 Bilderbücher und liest die entsprechende Geschichte vor.

Sehr interessant für die Innovationsscouts: Die Messestände der Display-Hersteller. Displays nicht nur in allen Größen und mit 8K-Auflösung. Auch in allen Formen, aufrollbar, mit Sound ohne Lautsprecher und haptischer Rückmeldung. Ekhard Kaltenbrunner, Director MP/E: „Wir haben bei den Displays ganz viele Optionen für die automobile Zukunft gesehen. Größer, flexibler, dünner. Ja und vielleicht ersetzen Displays künftig auch den einen oder anderen Lautsprecher.“ Dann ein Thema: Innovative Innenraumkonzepte. Sie sollen den Passagieren ein neues Fahrerlebnis liefern. Gerade beim autonomen Fahren. Die klassische Sitzordnung mit Fahrer, Beifahrer und Rückbank hat dann ausgedient. Und mit den Seitenfenstern kann man in der automobilen Zukunft dann auch mehr machen als nur rausschauen.

Überall auf der CES wurde deutlich gemacht: In Zukunft fahren die Autos autonom. Kleine Start-ups zeigten hierzu ihre aktuellen Entwicklungen bei der Lasertechnologie. Die großen Zulieferer hatten Simulatoren aufgebaut. Auf den Straßen von Las Vegas fuhren autonome Taxis, aber noch mit menschlichem Aufpasser auf dem Fahrersitz. Und wie in den Vorjahren mehr als nur ein Trend: Virtual und Augmented Reality. In Virtual Reality taucht man heutzutage nicht mehr nur per Spezialbrille ein, Finger und reelle Gegenstände werden auch mit einbezogen. Augmented Reality verbindet immer mehr digitale Elemente mit der Realität.

Unter den 4.000 Ausstellern bei der CES gab es natürlich auch etliche Ideen aus der digitalen Welt, die noch nicht gleich morgen den Weg ins Auto finden werden. Wie kabelloses Akku-Laden auch über längere Distanzen. Auch Start-ups, deren Innovationen sich nicht auf den ersten Blick als nutzbar erschließen, stießen auf großes Interesse. Es ist halt immer so eine Sache mit den kreativen Ideen. Manchmal ist die Zeit einfach noch nicht reif dafür.

Datum:
23.01.2018
Autor:
Rasmus Muttscheller
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