Ein wichtiges Rad im Getriebe: die Daimler-Tochter in Detroit

DT12

Das automatisierte Detroit Transmission 12 Gear (DT12), das in den beiden Schwerlast-Lkw Freightliner Cascadia und Western Star 5700 XE eingesetzt wird, ist äußerst beliebt in Nordamerika. Gefertigt wird es seit Ende 2015 direkt in Redford bei Detroit im amerikanischen Bundesstaat Michigan.

Rund 20 Meilen westlich von Detroit hat die Daimler-Tochter Detroit Diesel Corporation ihren Sitz. Bekannt ist das Werk vor allem durch die Produktion der schweren Dieselmotoren mit Blue-Tec-Technologie, das Herz vieler Lkw und Busse. Gegründet im Jahr 1938, gehört das „Detroit“-Aggregate-Werk in Redford seit dem Jahr 2000 zur Daimler AG.

Auf einer Fläche von mehr als 280.000 Quadratmetern arbeiten rund 2.200 Mitarbeiter. Sie entwickeln, fertigen und vertreiben Motoren, Getriebe und Achsen für die amerikanischen Nutzfahrzeug-Marken von Daimler Trucks, Freightliner und Western Star. Auch der Einkauf Nutzfahrzeuge ist in Detroit vertreten: Mehr als 20 der 800 Mitarbeiter weltweit beschaffen für den NAFTA-Markt (North American Free Trade Agreement) Systeme und Komponenten für Motoren, Getriebe, Achsen und Abgasnachbehandlung sowie Ersatzteile.

Detroit plant
Das Daimler-Werk in Redford bei Detroit.

Außergewöhnlich in Redford ist die direkt im Werk angesiedelte „Redford Supplier Mall“. Hier können kleine und mittelgroße Zulieferunternehmen eigene Produktionskapazitäten in unmittelbarer Nähe zum Kunden aufbauen. Die Redford Supplier Mall bietet eine ausgereifte Infrastruktur – von den gängigen Werksdienstleistungen über Planung, Entwicklung und Erprobung bis hin zu Laboratorien und Werkzeugtechnik. Für die ansässigen Zulieferer ist die „Mall“ deshalb weit mehr als nur eine angemietete Produktionsfläche.

Seit 2012 bietet Daimler Trucks unter der Aggregate-Marke „Detroit“ einen perfekt abgestimmten Antriebsstrang „aus einer Hand“ an: mit eigenen Motoren, Getrieben und Achsen. Daimler Trucks war damit der erste Hersteller im nordamerikanischen Markt.

475 Millionen Dollar Investitionen in neue Getriebe- und Motorenproduktion

„Built in Detroit“ – unter diesem Motto würdigten Michigans Gouverneur Rick Snyder und Daimler Trucks den Produktionsstart des DT12 im November 2015 in der Industriemetropole. In die neue Montage des automatisierten DT12 Getriebes hat Daimler Trucks 100 Millionen US-Dollar investiert. Daimler schafft vor Ort rund 170 neue Jobs. Für die Entwicklung und Fertigung der neuen DD5- und DD8-Motoren werden zusätzlich etwa 375 Millionen US-Dollar bereit gestellt. In Detroit entstehen circa 160 weitere Arbeitsplätze.

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Gaben den Startschuss für die lokale Produktion des automatisierten schweren Getriebes DT12:
V.l.n.r.: Roger Penske, Besitzer von Penske Corporation, Martin Daum, Präsident und CEO von Daimler Trucks North America, Wolfgang Bernhard, im Vorstand der Daimler AG verantwortlich für Daimler Trucks & Buses, Frank Reintjes, Leiter Global Powertrain & Manufacturing Engineering Trucks; Jeff Allen, Leiter Detroit Truck Powertrain, Rick Snyder, Gouverneur des Bundestaates Michigan.

Die neuen DD5 und DD8-Motoren entstammen der sogenannten mittelschweren Motorenfamilie, Medium Duty Engine Generation, kurz: MDEG. Daimler Trucks hat sie in Deutschland für die anspruchsvolle Abgasnorm Euro VI entwickelt. Wenn DD5 und DD8 dieses Jahr im Markt eingeführt werden, erfüllen sie bereits den Standard für Treibhausgas-Emissionen im nordamerikanischen Raum, GHG17. Die mittelschweren Vier-und Sechszylinder-Motoren nutzen standardisierte Komponenten wie Zylinderkopf und -block, Pleuel oder Nockenwelle. Beide Antriebe werden künftig im gesamten Produktportfolio von Daimler Trucks North America eingesetzt. Ab 2018 produziert Detroit selbst, bis dahin liefert das Mercedes-Benz Motorenwerk Mannheim die Motoren.

DD5
Die neuen DD5- (hier im Bild) und DD8-Motoren entstammen der sog. mittelschweren Motorenfamilie, Medium Duty Engine Generation, kurz: MDEG.

Der Antriebsstrang hat im Nutzfahrzeug-Geschäft einen Wertschöpfungsanteil von mehr als 50 Prozent. Damit bestimmt er beim Lkw-Bau wesentlich den wirtschaftlichen Erfolg eines Herstellers. So erzielt das DT12-Getriebe – gesteuert durch das Detroit Intelligent Powertrain Management – einen Verbrauchsvorteil von bis zu drei Prozent gegenüber einem manuellen Getriebe. Das überzeugt auch die Kunden in Nordamerika. Durch die hohe Nachfrage konnte Daimler Trucks seine Rolle als Marktführer in den USA 2015 nochmals weiter ausbauen: Der Marktanteil stieg auf rund 40 Prozent (Class 6-8).

„Das ist ein weiterer wichtiger Schritt bei der Umsetzung unserer globalen Plattform-Strategie. Mit den Entscheidungen, die wir heute verkünden, stärken wir unsere Wettbewerbsfähigkeit von morgen“, betonte Wolfgang Bernhard, im Vorstand der Daimler AG verantwortlich für Daimler Trucks & Buses im November 2015 beim Festakt zum Start der lokalen Serienproduktion des DT12 in Detroit.

Bei der jüngsten Jahrespressekonferenz am 4. Februar bestätigte Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter des Geschäftsfeldes Mercedes-Benz Cars: „Wir erweitern unsere Plattformstrategie. Jetzt führen wir auch unsere mittelschweren Motoren im NAFTA-Raum ein. Außerdem investieren wir in eine lokale Fertigung der Motoren ab 2018 in Detroit.“

Datum:
11.02.2016
Autor:
Janine Thiele
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