Drei Detektive und das Geheimnis des Kabelsatzes

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Für solide Detektivarbeit muss man seinen Schreibtisch auch mal verlassen. Drei Mitarbeiter von Mercedes-Benz Cars lüften in Transsilvanien das Geheimnis des sagenumwobenen Kabelsatzes.

Der Fluch des Einhorns, das Tal der Täuschung, der Tempel der Verdammnis. So lauten Titel von Abenteuergeschichten. In der beliebten Buch- und Hörspielreihe „Die drei Fragezeichen“ lösen derart mysteriöse Fälle die drei Meisterdetektive Justus, Peter und Bob. Dem Geheimnis des Kabelsatzes auf der Spur sind bei Mercedes-Benz Cars Edgar, Nils und Johannes. Die Aufgabe ist knifflig. Wie schafft man es, mehr als 1.000 Kabel mit einer Gesamtlänge von über drei Kilometern so zusammen zu bauen, dass sie als Kabelsatz in eine Mercedes-Benz E-Klasse reinpassen? Und auch noch alle Geräte mit dem richtigen Stecker verbunden sind? Dafür reisten die drei „Kabelsatz-Detektive“ zum Lieferanten Leoni, in den Norden Rumäniens nach Transsilvanien. Seit Ende 2015 steht in der Stadt Bistrita ein neues Werk. 2.000 Mitarbeiter fertigen dort Kabelsätze für die E-Klasse. 1.050 Kabelsätze pro Tag, in zwei Schichten.

„Wir verhandeln mit den Lieferanten die Konditionen, die technischen Herausforderungen kannten wir aber allenfalls aus der Theorie. Das wollten wir ändern“, so Edgar Hert, Teamleiter Einkauf Leitungssatz bei Mercedes-Benz Cars, Einkauf & Lieferantenqualität. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Nils Buettner und Entwickler Johannes Mickeler reiste Hert nach Bistrita. Ein Tag intensives Training im Schulungszentrum, ein Tag Mitarbeit in der Produktion.

Die Fertigung des Kabelsatzes (auch elektrischer Leitungssatz genannt) ist komplex. Es ist viel Handarbeit erforderlich, denn kaum ein Kabelbaum gleicht dem anderen. Entscheidende Abkürzung hier: KSL. Kundenspezifischer Leitungssatz. Die Ausstattung des Fahrzeugs entscheidet über die Konfiguration. In der Maximalausstattung bei der E-Klasse (Baureihe S213) bedeutet das: 2.108 Kontakte, 1.130 verschiedene Leitungen, Gesamtkabellänge: 3.277 Meter, Gesamtgewicht: 48 Kilogramm. Und das ist nur die Rahmen-Boden-Anlage, also der Innenraumleitungssatz. Verbaut in Form eines großen H. Also links und rechts an den Seiten des Fahrzeugs, mit einer Querung in der Mitte. Hinzu kommen die Leitungssätze in Dach, Türen, Sitzen, Cockpit und Motorraum.

 

Genug geübt, jetzt wird produziert

 

Leoni Produktionsleiter George Diaconu macht Mut: „Ihr müsst nicht alles perfekt können, solltet aber alles kennen.“ Im Schulungszentrum die Finger wund geübt, alle Arbeitsschritte erklärt bekommen, an Tag zwei wird es ernst. Kurze Einweisung, wer macht was, und dann los. Mit beherztem Sprung hinein ins kalte Wasser der laufenden Produktion. Die Kabelsatz-Detektive geben alles. Einfädeln, bewickeln, verbinden. Beruhigend, dass es noch eine Qualitätsendkontrolle gibt. Wenn es klemmt, helfen die erfahrenen Mitarbeiter aus. Mit ein, zwei schnellen Handgriffen.

Produktionsleiter Diaconu lobt: „Ihr seid noch ein bisschen langsam, aber ich bin sicher, noch zwei Wochen Training und dann klappt es auch mit dem Tempo.“ Einkäufer Nils Buettner ist erschöpft von seinem Produktionseinsatz, freut sich aber über die gewonnenen Erkenntnisse: „Ich kann jetzt den komplexen Herstellungsprozess viel besser nachvollziehen. Weiß jetzt, wo die Knackpunkte sind.“ Entwickler-Kollege Johannes Mickeler ergänzt: „Ich habe deutlich gesehen, welche Auswirkungen meine Arbeit als Ingenieur hier auf die Produktion hat. Gut möglich, dass ich künftig manche Dinge anders angehe.“ Für Einkaufs-Teamleiter Edgar Hert ist die Mission erfüllt: „Wir können künftig mit den Kabelsatz-Lieferanten auf einer ganz anderen Ebene kommunizieren.“ Die drei Detektive haben mit ihrer Reise nach Rumänien also das Geheimnis des Kabelsatzes gelüftet. Sagenumwoben bleibt jetzt nur noch die Landschaft Transsilvaniens.

Datum:
07.03.2017
Autor:
Rasmus Muttscheller
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