„Dinge werden nicht durch Zufall besser, sondern durch Veränderungen”

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In Daimlers Nutzfahrzeugstrategie spielt auch das Asiengeschäft einschließlich Japan eine wichtige Rolle, was die Zusammenarbeit mit Lieferanten beschleunigt. In diesem Zusammenhang gab Satyakam Arya einer japanischen Zeitung sowie internationalen Vertretern von Daimler Interviews.

Daimler Trucks Asia (DTA) betreibt zum einen die Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation (MFTBC) – eine Ikone der japanischen Nutzfahrzeugindustrie mit einer über 80-jährigen Unternehmensgeschichte. Zum anderen Daimler India Commercial Vehicles (DICV), einen jungen Herausforderer auf dem indischen Markt. Das strategische Geschäftsmodell von DTA ermöglicht es den Konzerneinheiten, bei Produktentwicklung, Produktion, Export, Beschaffung und Forschung zusammenzuarbeiten, um Produkte mit bestmöglichem Mehrwert hervorzubringen.

In Daimlers Nutzfahrzeugstrategie spielt auch das Asiengeschäft einschließlich Japan eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang äußerte Satyakam Arya, Leiter Procurement Trucks Asia bei Daimler, seine Ansichten zu Bauteilen, Leistung und Lieferanten. In Japan, Asien und weltweit. Mit Yutaka Kimura von Nikkan Jidosha, einer führenden Automobilzeitung in Japan, sprach er über Daimlers Strategie für die Beschaffung von Nutzfahrzeugteilen. Bei Daimler gewährte er Einblicke in sein Arbeitsmodul im Rahmen des DTAR-Programms (Daimler Trucks Asia Rising).

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Der Sitz der Tochtergesellschaft Daimler India Commercial Vehicles Pvt. Ltd. in Chennai, Indien.

Wie sehen Sie das Beschaffungsumfeld in Japan?

Arya: Wir fordern von unseren Lieferanten, höchst wettbewerbsfähige Teile zu liefern. Auch eine intensive Beziehung zwischen unserem Unternehmen und der Welt ist ein wesentliches Element – neben der hohen Leistungsfähigkeit des Teils selbst. Ich glaube, dass wir unsere Beziehungen mit japanischen Lieferanten vertiefen können, wenn wir diese Punkte berücksichtigen. Für mich steht außer Frage, dass sie nicht nur für MFTBC, sondern auch für Daimler wichtig sind.

Worin besteht die mittelfristige Herausforderung in der Teilebeschaffung?

Arya: Wir arbeiten nun an vielen Projekten, um die Lieferketten zu stärken. Mein Wunsch ist, dass dadurch unsere überlegene Position noch ausgebaut und zudem die Wettbewerbsfähigkeit von Lieferanten gestärkt werden kann. Deshalb fördern wir Aktivitäten, um in Kooperation mit japanischen und asiatischen Lieferanten eine Win-Win-Beziehung aufzubauen. Zudem ist es uns wichtig, die Fähigkeiten und Kompetenzen unserer Mitarbeiter auszubauen. Die Marktbedingungen sind weltweit oft instabil. Wir werden unsere Mitarbeiter so schulen, dass ihnen ein reibungsloses Lieferantenmanagement auch unter solchen Bedingungen möglich ist.

Wirkt sich eine rasche Fluktuation auf die Beschaffung aus?

Arya: Kurzfristig wirkt sich dies tatsächlich auf die Beschaffung aus. Ich kann aber sagen, dass die Auswirkungen langfristig gering sind. Denn der Daimler-Konzern hat ein globales Netzwerk und hält das Geschäft insgesamt, einschließlich MFTBC, auf bestem Niveau. Hier wird stets die beste Methode für die Teilebeschaffung berücksichtigt und der beste Ort gefunden, wo die Teile gekauft werden sollten. Das Augenmerk richtet sich nicht nur auf die Kosten. Ein ebenfalls wichtiger Bestandteil der Beschaffungspolitik besteht darin, überall auf der Welt innovative Teile zu finden, die im gesamten Konzern neue Technologie ermöglichen. MFTBC stärkt von jetzt an auch die Wettbewerbsfähigkeit des Gesamtkonzerns.

Haben Sie Gegenmaßnahmen in petto für den Fall, dass die Lieferkette infolge von Naturkatastrophen unterbrochen wird?

Arya: Wir haben aus dem schweren Erdbeben in Ostjapan im Jahr 2011 viel gelernt. Wir haben Erdbebengefahrenkarten erstellt, die wir regelmäßig aktualisieren. Damit sind wir gerüstet, um das Schadensausmaß bei Lieferanten und etwaige Veränderungen der Vorlaufzeit zu erfassen und darauf zu reagieren. Wir befassen uns nicht nur damit, Informationen von Lieferanten zu erhalten, sondern auch damit, wie MFTBC diese Lieferanten im Katastrophenfall unterstützen kann.

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Satyakam Arya, Leiter des Einkaufs von Daimler Trucks Asia und CEO von PABCO Co., Ltd.

Wie beurteilen Sie die Wettbewerbsfähigkeit der in Asien hergestellten Teile?

Arya: Bei Lieferanten prüfen wir immer, ob das Teil das von uns erwartete Qualitätsniveau erfüllt. Wir führen eine strikte Prüfung und Bewertung von Lieferanten durch, bevor wir uns für sie entscheiden. Eine Geschäftsbeziehung nehmen wir dann erst auf, wenn diese Standards erfüllt sind. Nach unseren bisherigen Erfahrungen glaube ich, dass viele asiatische Lieferanten bereits ein hohes Niveau erfüllen, und wir wollen mit ihnen zusammenarbeiten.

Welchen Umfang und welches Ziel hat das DTAR-Arbeitsmodul, das Sie leiten?

Arya: Der Grundsatz „Wettbewerb macht uns schneller; Zusammenarbeit macht uns besser“ beschreibt recht zutreffend das Arbeitsmodul „Material Efficiency and Partnerships“. Schwerpunkt dieses Arbeitsmoduls ist die Profitabilität und Nachhaltigkeit als wichtigste lieferbare Ergebnisse einer Kooperation mit internen und externen Akteuren.

Worauf würden Sie sich gerne bei der Leitung der Aktivität konzentrieren?

Arya: Letztlich werden Dinge nicht durch Zufall besser, sondern nur durch Veränderung. Anstatt uns also Veränderungen zu widersetzen, müssen wir sie aktiv herbeiführen. Wir müssen konventionelle Weisheiten und herkömmliche Handlungsweisen hinterfragen. Zuerst müssen wir einen Schritt zurücktreten, uns das Ziel anschauen, das wir uns für die nächsten fünf Jahre gesteckt haben, und dann unsere aktuelle Lage bewerten. Wir müssen ein klares Bild davon haben, wo wir sein müssen, und wir müssen unsere Fähigkeiten kennen. Das wird für uns die Inspiration sein, um unsere Komfortzonen zu verlassen und die richtigen Entscheidungen zur Erreichung dieser Ziele zu treffen. Wir werden auf dem Wege einer verstärkten Kooperation mit unseren internen und externen Partnern mit innovativen Lösungen aufwarten.

Externe Akteure wie Lieferanten, Händler, Vertriebspartner und Dienstleister sind unabdingbar, um unserem Endkunden die Markenwerte von Fuso zu vermitteln. Starke und zuverlässige Partner, die von unseren Produkten so überzeugt sind wie wir, sind für unsere Wachstumsstrategie unverzichtbar. Um unsere Zusammenarbeit mit unseren leistungsstarken Lieferanten noch zu steigern, haben wir bereits das Programm „Partners for Asia“ auf den Weg gebracht. Wir haben 47 Lieferanten auf Grundlage ihrer Leistungsfähigkeit ausgewählt und ihnen im Rahmen einer besonderen Veranstaltung im Juli den Titel „Partners for Asia“ verliehen. Diese Lieferanten hatten bei mehreren Kontakten und Einzeltreffen sehr innovative, pragmatische und durchschlagende Ideen präsentiert.

Datum:
20.10.2016
Autor:
Janine Thiele
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