Die intelligenteste Business-Limousine der Welt startet durch

E-Klasse

Weltpremiere der neuen Mercedes-Benz E-Klasse am 11. Januar 2016 in Detroit. Markteinführung ist im Frühjahr. Klaus Zehender verantwortet den Bereich Einkauf & Lieferantenqualität (MP). Wir haben mit ihm gesprochen. Über den Beitrag der Lieferanten und die kritische Phase des Hochlaufs.

Anschauen durfte die Weltöffentlichkeit die neue E-Klasse schon, aber fahren noch nicht. Wie sieht das bei Ihnen aus, Herr Zehender, haben Sie schon ein paar Runden damit gedreht?

Zehender: Ja, klar. Mit getarnten Prototypen war ich bereits in den unterschiedlichsten Regionen unterwegs. Und weil wir mit der neuen E-Klasse ja eine Vorreiterrolle beim autonomen Fahren einnehmen werden, habe ich auch mal das Lenkrad aus der Hand gegeben.

Dr. Klaus Zehender
Klaus Zehender, Bereichsvorstand Mercedes-Benz Cars Einkauf & Lieferantenqualität.

Darf man das denn?

Zehender: Na, auf der Teststrecke schon. Im öffentlichen Straßenverkehr ist noch nicht alles umsetzbar. Das Auto ist nämlich schlauer als es die Zulassungsbehörden erlauben. Aber das wird sich schnell ändern. Als Vorreiter ist man nun mal der, der voraus reitet und das Gelände erkundet. Und irgendwann reiten dann alle hinterher. Auch der Gesetzgeber.

Aber, was will man denn mit einem Auto das zwar autonom fahren kann, es aber nicht darf?

Zehender: Der Bordcomputer kann prinzipiell an die aktuelle Gesetzeslage angepasst werden. Schon ab Werk bremst das Auto selbständig für Fußgänger und kreuzende Autos. Und bei einem drohenden Zusammenstoß unterstützt die E-Klasse den Fahrer bei einem Ausweichversuch, falls er mit einem Lenkimpuls seinen Willen zum Ausweichen signalisiert. Gibt es keinen Lenkimpuls, versucht das System den Unfall mittels einer Vollbremsung zu vermeiden.

Die neue E-Klasse wartet auf mit einer Vielzahl von Innovationen. Inwieweit ist denn der Kunde bereit, das alles zu bezahlen?

Zehender: Für den Kunden ist es doch ganz einfach: Er bekommt mehr Auto für nahezu das gleiche Geld. Wer kann dazu schon nein sagen? Hierzu war es entscheidend, dass wir bei den gerade anfangs sehr hochpreisigen Innovationen zusammen mit den Lieferanten Technologiesprünge realisiert haben. Mit dem klaren Ziel: Höhere Funktionalität zu geringeren Kosten. Ohne unseren partnerschaftlichen Ansatz wäre das nicht möglich gewesen. Das funktioniert nur, wenn wir mit unseren Lieferanten an einem Strang ziehen.

An einem Strang ziehen, Lieferanten frühzeitig ins Boot holen. Wie lange arbeiten Sie denn schon an der Baureihe 213?

Zehender: Da müssen wir schon ein paar Jahre zurückgehen. Bereits 2009 sind die ersten Vergaben erfolgt, bis 2014 waren es insgesamt über 1000. Nicht nur für den Produktionsstandort Sindelfingen sondern auch für China und Indien und auch für AMG. Nach der Vergabe waren wir ein dauerhafter Begleiter unserer Lieferanten, Stichwort „VDA-RGA Prozess“. Wir haben bereits lange vor Produktionsstart getestet, ob der Lieferant die geforderte Spitzenqualität liefern kann. Wir haben geprüft, ob das Werkzeug vor Ort ist und bei „Run-at-Rate-Tests“ ob die Maschinen unter Volllast die geforderte Kapazitäten bringen. Das ist das Betätigungsfeld unserer 400 Qualitätsingenieure, die weltweit im Einsatz sind.

E-Klasse Design
Die zehnte Generation der E-Klasse setzt gestalterische Akzente mit einem klaren und gleichzeitig emotionalen Design.

Inwieweit hat dabei die digitale Transformation im Auto zu Veränderungen geführt?

Zehender: Es hat sich in den letzten Jahren schon angekündigt, durch kürzere Produktzyklen im digitalen Bereich entstehen für uns neue Herausforderungen. Wir verfügen global derzeit über rund 1500 Lieferanten. Diese Zahl ist in den letzten Jahren ziemlich konstant geblieben. Geändert hat sich allerdings das Lieferantenset selbst. Abzusehen ist, dass sich dieses auch weiter verändern wird. Wir betreiben hierzu aktiv Innovations-Scouting. Nicht nur auf den bekannten Messen wie der IAA oder der CES. Wir waren erstmals auch auf der größten Automobilmesse Koreas vertreten, der KOAA Show in Seoul. Als einziger Premiumhersteller übrigens. Dort haben wir gezielt Ausschau gehalten nach innovativen Lieferanten aus dem Bereich Elektronik. Wir haben auch ein waches Auge gerade auf kleine Start-ups. Das sind Pioniere, sie erkunden Neuland und sind wichtige Impulsgeber für Innovationen.

E-Klasse Interieur
Auch das Interieur der neuen Business-Limousine ist hochwertig und exklusiv.

SOP, also Start of Production, für die neue E-Klasse erfolgt bald, Sie befinden sich mitten im Hochlauf, man könnte also annehmen, dass die Arbeit von MP damit beendet ist.

Zehender: Keineswegs. Unsere Lieferanten befinden sich jetzt in einer entscheidenden Phase. Alle Bauteile müssen nicht nur in der geforderten Spitzenqualität geliefert werden, sondern auch in der richtigen Menge, zum richtigen Zeitpunkt. Das bedeutet, unsere Lieferanten unterliegen einem laufenden Monitoring. Auch hier kommt unser partnerschaftlicher Ansatz zum Tragen. Sollte es beim Lieferanten mal irgendwo klemmen, erwarten wir eine sofortige Rückmeldung. Gemeinsam kann man immer eine Lösung finden. Aber eben nur dann, wenn man rechtzeitig etwas unternimmt.

Und wie funktioniert der Hochlauf?

Zehender: Kleinere Hakler gibt es in dieser Phase immer. Das gehört dazu. Aber mit Hochläufen haben wir ja Erfahrung. Insbesondere bei der E-Klasse Limousine und dem T-Modell, von denen wir insgesamt über 13 Millionen Einheiten verkauft haben. Jetzt gilt es täglich rund 2 Millionen Teile ans Band zu bekommen. Das geht nur gemeinsam mit den Kollegen aus Entwicklung und Produktion und vor allem mit dem Support unserer Lieferanten.

Herr Zehender, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Datum:
25.01.2016
Autor:
Rasmus Muttscheller
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