9. Sustainability Dialogue in Stuttgart

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Lebhafte Diskussionen sind wesentlicher Bestandteil des jährlichen Sustainability Dialogues in Stuttgart. Neben den traditionellen Workshops, die eine große Bandbreite an Nachhaltigkeitsthemen abdecken, stand in diesem Jahr unter anderem die Verbesserung der urbanen Mobilität im Mittelpunkt.

Offen, konstruktiv aber auch kontrovers ging es am Vorabend des Sustainability Dialogues in Stuttgart los: „Wenn die Klimaziele von Paris erreicht werden sollen, muss der Verkehr sauberer werden“, sagte Gastredner Peter Bakker vom World Business Council for Sustainable Development. Ein Wandel im Verkehrssektor sei dringend nötig, da sich die Zahl aller weltweit zugelassenen Fahrzeuge bis 2050 auf 2,5 Milliarden Autos verdoppeln werde. Dies sei aber nur zu schaffen, „wenn die Städte und die Wirtschaftsunternehmen eng zusammenarbeiten“, so Bakker.

 

Auch Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Stadt Hamburg, unterstrich in seiner Rede die Bedeutung der Luftverbesserung: Es müssten Lösungen gefunden werden, damit die Luftqualität in deutschen Städten verbessert werden kann. Fahrverbote, wie sie derzeit für Diesel-Fahrzeuge diskutiert würden, seien für ihn aber keine Option. „Das halte ich für unsozial“, sagte er. Autokäufer mit geringen Einkommen könnten sich Fahrzeuge mit neuester Abgastechnologie oft nicht leisten. Scholz hält es für wichtiger, öffentliche Verkehrsmittel sowie Taxis und den Lieferverkehr in Innenstädten zu elektrifizieren. Für Daimler-Vorstand Thomas Weber, verantwortlich für Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung, ist Elektromobilität langfristig alternativlos. Einen Ausblick auf die automobile Zukunft gab er mit dem Showcar Concept EQ. Bereits seit Jahren auf dem Markt ist der smart ed, der im Frühjahr 2017 von der vierten Generation der elektrifizierten smarts abgelöst wird. Er wird als Coupé, Cabrio und Viersitzer angeboten.

Bis zu 300 Kilometer Reichweite bei Bussen

In der anschließenden Podiumsdiskussion erläuterte Hartmut Schick, Leiter Daimler Buses, die Pläne zur Elektrifizierung. Gerade im Busbereich verfüge Daimler bereits über jahrelange Erfahrung – auch in der Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg – und viele Millionen gefahrene Kilometer. Bis 2025 sieht Schick elektrifizierte Busse mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern – damit ist ein Tag im innerstädtischen Verkehr einer Großstadt zu bewältigen.

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Paneldiskussion zum Thema "Perspektiven der urbanen Mobilität".

Klaus Entenmann, bei Daimler unter anderem zuständig für Mobilitätsdienstleistungen, verwies auf die moovel App, mit der Kunden bereits heute verschiedene Verkehrsmittel kombinieren und bequem über das Smartphone bezahlen können. Und auch der Pionier beim Carsharing car2go biete nachweislich eine Verbesserung der urbanen Mobilität und trage zur Lebensqualität bei, zitiert Entenmann eine neue Studie der Universität Berkeley, USA. Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass nur die unmittelbare Zusammenarbeit zwischen Politik, Gesellschaft und Industrie zu einer besseren urbanen Mobilität führen kann.

Gespräche in offener und konstruktiver Atmosphäre

Den Haupttag des Sustainability Dialogues eröffnete Daimler-Chef Dieter Zetsche. Kern seines Impulsvortrags waren die notwendigen Veränderungsprozesse im Unternehmen und die Zukunft der Elektromobilität. „Jetzt ist die Zeit, voll in die E-Mobilität einzusteigen“, so Zetsche. Die Batteriekosten sänken, die Reichweiten stiegen. Er sei aber auch davon überzeugt, dass man der Elektromobilität nicht durch Verbote, sondern durch Faszination für das Auto endlich zum Durchbruch verhelfen werde. Darüber hinaus machte Zetsche deutlich, dass die Elektrifizierung des Antriebsstranges bei weitem nicht die einzige Veränderung in der Automobilbranche darstelle: Konnektivität, autonomes Fahren und Sharing-Modelle seien ebenso wichtige Entwicklungen.

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Den Haupttag des Daimler Sustainability Dialogs eröffnete Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender bei Daimler.

Renata Jungo Brüngger, im Daimler-Vorstand verantwortlich für Integrität und Recht beleuchtete in ihrem Impulsvortrag noch einen weiteren Aspekt von Nachhaltigkeit: „Wir wollen Verantwortung bei Daimler so gestalten, dass sie zu unserem Kerngeschäft und unserem Einflussbereich passt. Das muss mit klaren Zielen hinterlegt sein.“

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Renata Jungo Brüngger, im Daimler-Vorstand verantwortlich für Integrität und Recht, bei ihrem Vortrag.

Anschließend diskutierten die Teilnehmer in verschiedenen Arbeitsgruppen unter anderem über die Luftqualität in Städten, Szenarien für Abgasmessungen im realen Fahrbetrieb, Menschenrechte, autonomes Fahren, Datenschutz sowie gesellschaftliche Verantwortung. Für Thomas Weber sind diese Diskussionen von besonderem Wert: „Das sind sehr konstruktive, sehr kritische auf den Punkt geführte Diskussionen. Ich bin froh, dass wir auch in diesem Jahr Fragen der Zukunft besprechen konnten. Das macht uns auch besser.“ Renata Jungo Brüngger kündigte die Fortsetzung der Dialog-Reihe an: „Wir werden mit Sicherheit einen zehnten Dialog durchführen. Die Diskussionen sind sehr wertvoll für die Weiterentwicklung unseres Nachhaltigkeitsengagements.“
Am Nachmittag wurde auch eine vom Einkauf moderierte Diskussionsrunde anhand konkreter Fallbeispiele über das Thema Menschenrechte in Lieferketten geführt. Dabei waren externe Stakeholder, Lieferanten und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen beteiligt. Die Arbeitsgruppe ist sich einig: Initiativen zum Aufbau nachhaltiger Lieferketten sind nur mit gemeinsamen Maßnahmen erfolgreich.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Mit dem Ende der Veranstaltung beginnt die eigentliche Arbeit. Die im Plenum vorgestellten Diskussionsergebnisse sind Grundlage der Arbeit für das kommende Jahr. Nun geht es darum, die zahlreichen Ansätze aus den Workshops weiter zu verfolgen. Auch im Einkauf wird man den Austausch mit den Stakeholdern unterjährig fortsetzen.

Datum:
21.12.2016
Autor:
Florence Göckeritz
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